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Informationen zu Essstörungen für Angehörige

Definition der Anorexia nervosa nach ICD-10
  • Körpergewicht mindestens 15% unterhalb der Norm oder BMI < 17.5 kg/m²
  • Der Gewichtsverlust ist selbstverursacht
  • Körperschemastörung und Überzeugung, zu dick zu sein

Anorexia nervosa bezeichnet einen selbstverursachten bedeutsamen Gewichtsverlust oder eine unzureichende altersgemäße Gewichtszunahme, die mit der tief verwurzelten Überzeugung einhergeht, trotz Untergewicht zu dick zu sein. Der Häufigkeitsgipfel liegt bei 14 Jahren. Kernsymptom der Magersucht ist die sogenannte Körperschemastörung: Magersüchtige Patienten überschätzen ihren Körperumfang und halten sich trotz Untergewicht für zu dick.

Man unterscheidet drei Untergruppen: Bei der restriktiven Anorexia nervosa wird der Gewichtsverlust ausschließlich durch Einschränkung der Nahrungszufuhr und/oder verstärkte körperliche Aktivität erreicht. Die Anorexia nervosa mit zusätzlichen Gewichtsreduktionsmethoden schließt darüber hinaus selbstherbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel- und/oder anderer Medikamentenmissbrauch mit dem Ziel der Gewichtsabnahme ein. Bei der Anorexia nervosa mit bulimischen Attacken werden die Zeiträume eingeschränkter Nahrungszufuhr durch sogenannte Essattacken unterbrochen, bei denen große Mengen an Nahrung verzehrt werden. Eine Gewichtszunahme wird dann durch die bereits beschriebenen gewichtsreduzierenden Methoden vermieden.

Die kindliche Anorexia nervosa beginnt vor Eintritt in die Pubertät und geht mit einem Stillstand oder einer Verzögerung der pubertären Entwicklung und/oder des Wachstums einher.

Bulimie (Bulimia nervosa)

Definition der Bulimia nervosa nach ICD-10
  • Andauernde Beschäftigung mit Essen und Essattacken
  • Versuche, den dickmachenden Effekt des Essens durch Erbrechen, Abführmittelmissbrauch u.ä. zu vermeiden
  • Krankhafte Furcht, dick zu werden
  • Häufig Magersucht in der Vorgeschichte

Bulimie äußert sich durch häufig auftretende Essattacken, denen der Versuch folgt, den "dickmachenden" Effekt der Nahrung durch unterschiedliche Verhaltensweisen, z.B. selbstherbeigeführtes Erbrechen, Abführmittelmissbrauch oder Fasten, entgegenzuwirken. Diesen Versuchen liegt die krankhafte Furcht zugrunde, zu dick zu werden. Auch bei der Bulimie liegt in der Regel eine Körperschemastörung vor wie bei der Magersucht, die häufig in der Vorgeschichte auftritt. Der Häufigkeitsgipfel dieser Essstörung liegt bei 18 bis 20 Jahren. Bulimische Menschen können unter-, norm- oder auch übergewichtig sein, sie haben jedoch meist ein sehr schlankes Körperideal.

Unterschieden werden die folgenden Untergruppen: Bulimia nervosa mit Anorexia nervosa in der Vorgeschichte, Bulimia nervosa ohne Anorexia nervosa in der Vorgeschichte und die gleichzeitige Erkrankung an Anorexia und Bulimia nervosa, das heißt zusätzlich ein erhebliches Untergewicht und Amenorrhoe (Ausbleiben der Menstruation).

Ein tiefgehendes Schamgefühl führt dazu, dass die Betroffenen ihre Krankheit lange Zeit verheimlichen und sich sozial isolieren. Häufig treten auch Depressionen unterschiedlichen Schweregrades und selbstverletzendes Verhalten (SVV), also das absichtliche Zufügen von Schnitten, Wunden oder sonstigen Verletzungen z.B. aufgrund von Gefühlen des Selbsthasses, auf.

Binge Eating

Wie bei der Bulimie äußert sich Binge Eating durch wiederholte Heißhungerattacken und Fressanfälle, allerdings ohne anschließendes Erbrechen oder den Mißbrauch von Abführmitteln. Der Kontrollverlust während der Fressanfälle und die anschließenden Schuldgefühle sind ebenso typisch. Die Fressanfälle werden oft durch persönliche Stresssituationen ausgelöst.

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 Literatur zum Thema
Bärbel Wardetzki
Iss doch endlich mal normal. Hilfen für Angehörige von eßgestörten Mädchen und Frauen.
Taschenbuch - 244 Seiten (1996); Kösel, Mchn.;
ISBN: 3466304067

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