BULIMIE

(BULIMIA NERVOSA)

Bulimie ist durch wiederholte Attacken von Heißhunger und einer erhöhten Nahrungsaufnahme („Fressattacken“), gefolgt von selbst herbeigeführtem Erbrechen, gekennzeichnet. In der Regel spielen sich solche Attacken in aller Heimlichkeit ab. Ein tiefes Schamgefühl nach einer Fress-Brechattacke ist ein wesentlicher Grund, die Erkrankung auch vor den besten Freunden zu verstecken. Ein weiteres Kennzeichen für die Bulimie ist die fast permanente Beschäftigung der Betroffenen mit allem, was mit Essen, Kalorien, Körpergewicht, Diät und Figur etc. zu tun hat. Bulimische Menschen können unter-, norm- oder auch übergewichtig sein, sie haben jedoch meist ein sehr schlankes Körperideal. Mischformen zwischen Bulimie und Anorexie kommen häufig vor.

Ein tiefgehendes Schamgefühl führt dazu, dass die Betroffenen ihre Krankheit lange Zeit verheimlichen und sich sozial isolieren. Häufig treten auch Depressionen unterschiedlichen Schweregrades und selbstverletzendes Verhalten (SVV), also das absichtliche Zufügen von Schnitten, Wunden oder sonstigen Verletzungen z.B. aufgrund von Gefühlen des Selbsthasses, auf.

Die Symptome

Körperschemastörung

Auch bei bulimischen PatientInnen kommt es zu einer Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers. Auch wenn sie im Laufe der Erkrankung schon extrem viel Gewicht verloren haben, überschätzen sie ihren Körperumfang und halten sich für zu dick.


Verändertes Essverhalten

Die Erkrankung ist durch wiederholte Attacken von Heißhunger („Freßattacken“) meist gefolgt von selbst herbeigeführtem Erbrechen gekennzeichnet. Bei den Freßattacken werden meist die Nahrungsmittel gewählt, die ansonsten eher tabu sind: meist fett- und kohlenhydratreiche Esswaren. Bis zu 50000 Kalorien werden bei einer solchen Attacke „gefressen“. Die Frequenz der Freß- und Brechattacken reicht von 1-2 pro Woche bis hin zu 20 pro Tag. Ebenso variabel ist auch die Zeitdauer einer einzelnen Attacke. Immer wieder kann es auch zu Zeiträumen extremen Fastens kommen.

In aller Regel spielen sich solche Attacken in aller Heimlichkeit ab und werden vom Partner oder Familienangehörigen oft überhaupt nicht oder sehr spät wahrgenommen. Die Bandbreite der beteiligten Gefühle („Ich könnt‘ Dich fressen – Du bist zum Kotzen!“) ist enorm: höchstes Lustempfinden und Befriedigung und tiefe Niedergeschlagenheit und ein Gefühl des Versagens können sich abwechseln. Ein meist vorliegendes tiefes Schamgefühl nach einer Freß/Brechattacke ist ein wesentlicher Grund, die Erkrankung auch vor den besten Freunden zu verstecken. Oft kommt es zum heimlichen „Mundraub“ aus den Lebensmittelvorräten der Familie oder der Wohngemeinschaft, für das Kaufen der mitunter riesigen Lebensmittelmengen werden manchmal sogar Schulden gemacht. Erbrechen kann aber auch nach dem Essen einer ganz „normalen“ Mahlzeit vorkommen.


Psychische Veränderungen

Ein weiteres Kriterium für die Bulimie ist die fast permanente Beschäftigung der Betroffenen mit allem, was mit Essen, Kalorien, Körpergewicht, Diät und Figur etc. zu tun hat. Bulimische Menschen können unter-, norm- oder auch übergewichtig sein, sie haben jedoch meist ein sehr schlankes Körperideal. Zwei starke Bestrebungen bestimmen die Gefühle: enthemmtes, verschlingendes Essen-wollen und der Wunsch, dünn zu bleiben oder zu werden. Die Bulimie ist DIE Lösung für solch an sich unvereinbaren innere Ziele.

In fast allen Fällen wird die Gefühlswelt der Betroffenen durch das bulimische Verhalten stark beeinflußt, wobei oft nicht mehr unterschieden werden kann, welche Gefühle und Emotionen die Bulimie verursachten, sie aufrecht erhalten und durch sie entstehen. Sehr charakterischtisch für Frauen mit Bulimie, aber auch für andere Formen der Essstörungen, ist ein niedriges Selbstwertgefühl, welches durch die oft jahrelange Symptomatik oft noch weiter belastet wird.


Medikamentenmissbrauch und Suchtverhalten

Neben dem willkürlichen Erbrechen werden auch andere Mittel eingesetzt, um dem dickmachenden Effekt der großen aufgenommenen Nahrungsmenge zu verhindern: Abführmittel, Appetitzügler, Fastenperioden, Diuretika (entwässernde Medikamente), Schilddrüsenmedikamente u.a.

Begleitende Umstände können auch das Entwickeln einer Suchterkrankung (Drogen, Alkohol) oder gar einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sein. So wie belastende Beziehungen eine Bulimie auslösen und aufrechterhalten können, so kann die Bulimie natürlich auch die Beziehungen der Betroffenen belasten und nicht selten zerstören.


Körperliche Veränderungen

Die Bulimie hat neben diesen seelischen Konsequenzen auch, abhängig vom Ausmaß der Symptome, deutliche körperliche Folgen: Elektrolytentgleisung durch Erbrechen, Abführmittelmißbrauch und Fehlernährung, Vergrößerung der Speicheldrüsen („Hamsterbacken“), durch die Magensäure bedingte Zahnschmelzdefekte, v.a. an den Schneidezähnen, Durchfall und Verstopfung (oft im Wechsel), Verhornungsmale an den Handrücken durch das selbst herbeigeführte Erbrechen („Finger in den Hals“) Kreislaufprobleme u.a.