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Traumasensibles Yoga

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Menschen, die traumatische Erlebnisse erfahren mussten, tragen oft schwer an den Folgen. Traumasensibles Yoga möchte es auch traumatisierten Menschen ermöglichen, die positiven Folgen des klassischen Yoga zu erfahren. Menschen, die traumatische Erlebnisse erfahren mussten, tragen oft schwer an den Folgen. Traumata sind im Körper, genauer gesagt im Nervensystem, gespeichert. Die Folgen machen sich auf vielen verschiedenen Ebenen bemerkbar. Auf der Körperebene können sie sich u.a. durch Hass auf den Körper, Abspaltung des Körpers, Selbstverletzung, Essstörungen ausdrücken.

Yoga boomt, Trauma ist fast schon ein Schlagwort geworden. Was aber ist traumasensibles Yoga? Es ist klassischer Yogaunterricht mit einer besonderen professionellen und menschlichen Sensibilität Menschen mit Traumata gegenüber. Es ist ein körperorientierter Ansatz für Menschen mit Traumata. Es ist keine Therapie und es ersetzt auch keine Therapie. Das ist wichtig zu betonen. Aber es ist eine gute Möglichkeit, begleitend zur Therapie mit dem Körper und dem Nervensystem zu arbeiten.

Traumasensibles Yoga möchte es auch traumatisierten Menschen ermöglichen, die positiven Folgen des klassischen Yoga zu erfahren. Yoga wirkt auf alle Körpersysteme gesundheitsfördernd und entspannend. Körper- und Selbstbewusstsein können steigen. Folgekrankheiten von Stress und Anspannung können vermieden oder aufgelöst werden.
Für Menschen, die Traumata erlebt haben, ist es jedoch meist unmöglich, tief zu entspannen. Deren Nervensystem hat noch nicht verstanden, dass die Gefahr vorbei ist. Es läuft daher immer auf Hochtouren. Von Entspannung ist wenig zu spüren. Die Arbeit mit dem Körper ist oft sehr stark angst- und schambesetzt. Ablehnung und Hass auf den Körper sitzen tief. Alleine der Gedanke, sich mit dem eigenen Körper bewusst und in positiver Art und Weise befassen zu müssen, kann Horror auslösen. An Teilnahme an klassischem Yogaunterricht ist nicht zu denken.

All dies weiß und berücksichtigt traumasensibles Yoga.
Traumatische Erlebnisse, so unterschiedlich sie inhaltlich sein mögen, haben immer die selbe Wirkung auf das Nervensystem und immer die selben Charakteristika. So kennzeichnet traumatische Erlebnisse z.B. völlige Handlungsunfähigkeit, Ausgeliefertsein, keine Wahlmöglichkeiten zu haben, Überwältigung, Chaos etc etc. Diese Charakteristika werden im traumasensiblen Yogaunterricht bewusst ins genaue Gegenteil umgekehrt. Wahlmöglichkeiten anzubieten, ist eines der Leitthemen, die sich durch den Unterricht ziehen. Die Haltung eines nicht wertenden Entdeckers des eigenen Körpers wird bewusst gefördert. Dies ist besonders bei Menschen mit Essstörungen gleichzeitig ein zentraler wie auch zentral herausfordernder Punkt. Ebenso wichtig sind eine klare Struktur und Vorhersehbarkeit der Handlungen genauso wie weitere Leitthemen.
Auch werden die Körper-, Atem- und Entspannungsübungen ggf. angepasst ohne Verlust der Wirkungen.

Durch diese und weitere Modifikationen des Yogaunterrichts kann es auch für traumatisierte Menschen möglich werden, die positiven Auswirkungen des Yoga zu erfahren. Dies bedeutet, es kann möglich werden, mit dem Körper zu arbeiten, ihn mehr und mehr zu Entspannung zu führen. Folgekrankheiten von Stress kann vorgebeugt werden. Zudem kann eine achtsamere Haltung und Beziehung zum eigenen Körper geschehen. Das Körperselbstbild kann sich langsam verändern. Selbst-Bewusstsein und Selbstvertrauen können wachsen.
Traumasensibles Yoga löst keine Essstörung, die als Traumafolge entstanden ist, aber es kann helfen, den Körper so wie er ist klarer wahrzunehmen, mehr anzunehmen und vielleicht, ja vielleicht sogar auch irgendwann zu lieben.

Damit diese Erfahrungen möglich werden können, gibt es wichtige Qualifikationen, die der/die KursleiterIn erfüllen sollte, um traumasensibles Yoga verantwortungsvoll anbieten zu können. Diese sind meiner Meinung und Erfahrung nach folgende: Eine Ausbildung als YogalehrerIn ist der erste Baustein. Eine Weiterbildung in traumasensiblem Yoga (die es meines Wissens momentan nur in den USA gibt) der zweite. Der dritte sollte eine fundierte Qualifikation im Bereich Trauma sein. Es ist meines Erachtens unerlässlich, ein tiefes Verständnis von Trauma auf den verschiedenen Ebenen zu haben – und konkretes Handwerkszeug, um mit traumatisierten Menschen arbeiten zu können. Ein Crashkurs `was ist Trauma´ ist meines Erachtens zu wenig.
Meines Wissens nach gibt es in Deutschland bisher nur mein Angebot in diesem Bereich. Wenn Sie sich auf die Suche machen nach ähnlichen Angeboten, kann vielleicht diese Auflistung von Qualifikationen eine Richtlinie für Sie sein.

Zusammenfassend möchte ich sagen: Traumasensibles Yoga ist ein Segen – und eine Herausforderung. Es kann in kleinen Schritten vorangehen und manchmal auch als zu schwer erscheinen. Nach einigen Stunden können kleine Veränderungen bemerkbar werden – und es kann ein längerer Prozeß sein.
Und all das darf sein.


Copyright : Sandra Nitya Ulmer
www.yogaundtrauma.de

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 03. Mai 2011 um 20:06 Uhr