Hungrig-Online

Information und Kommunikation bei Essstörungen

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Home Aktuelle Nachrichten zu Essstörungen Artikel Familientherapie senkt Rückfallgefahr bei Magersucht

Familientherapie senkt Rückfallgefahr bei Magersucht

E-Mail Drucken PDF
Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 

Familientherapie, bei der die Eltern in die Therapie der an Magersucht erkrankten Kinder miteinbezogen werden, ist im Vergelich zur Einzeltherapie der Betroffenen langfristig effektiver.

Zu diesem Ergebnis kam eine Gemeinschaftstudie der Universität Chicago, der Stanford University School of Medicine, sowie des Kinderkrankenhaus Lucile Packard Hospitpal. In der Studie werden die Erfolge beider Therapieformen in der Behandlung von Magersucht-Patienten erstmals direkt miteinander verglichen. Evaluiert wurde der Zustand der Patienten jeweils zu Beginn und Ende der einjährigen Behandlung, sowie daran anschließend sechs und zwölf Monate nach Abschluss der Behandlung.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Erfolge beider Therapieformen bezüglich der im Therapieverlauf erreichten stabilisierenden Gewichtszunahe kaum unterschieden. Der wesentlich Unterschied in der Effektivität beider Behandlungsformen ließ sich nach Abschluss der Therapie und Rückkehr der Patienten in den bekannten Rahmen der Familie beobachten: Patienten, die familientherapeutisch behandelt wurden, erlitten nach Abschluss der Therapie seltener einen Rückfall.

Die Wissenschaftler schlußfolgern aus den Ergebnissen, dass beide Therapieformen zu einer erheblichen Verbesserung der Symptomatik und Stabilisierung des Körpergewichts der Betroffenen beitragen, und dass Patienten, die nach familientherapeutischem Konzept behandelt wurden vor allem nach Abschluss der Therapie bessere Langzeiterfolge und eine höhere Stabilität aufweisen. Die Forscher weisen jedoch auch darauf hin, dass individuelle Unterschiede in der Behandlung bestehen und berücksichtigt werden sollen, und manche Patienten durchaus eher von einer Einzeltherapie profitieren könnten. Ebenfalls muss durch Folgestudien geklärt werden, ob sich der positive Effekt der familientherapeutischen Behandlung auch dann beobachten lässt, wenn die Heranwachsenden das Elternhaus verlassen und "alleine" wohnen.

Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe der Archives of General Psychiatry veröffentlicht: Lock J. et al. (2010) Randomized Clinical Trial Comparing Family-Based Treatment With Adolescent-Focused Individual Therapy for Adolescents With Anorexia Nervosa. Arch Gen Psychiatry, 67(10):1025-1032. doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.128

In einem englischen Artikel auf sciencedaily.com lesen Sie einen ausführlichen Bericht über die Studienergebnisse. Auch Spiegel-online berichtet über die Studie.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 10. Oktober 2010 um 08:35 Uhr