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Zensur durch die BPjM?

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Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat erstmals ein Pro-Ana-Blog auf den Index gesetzt. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat erstmals ein Pro-Ana-Blog auf den Index gesetzt.

Nach der Berichterstattung ließ die unvermeidliche Diskussion nicht lange (mein Lieblingsthread hier: "Gottverdammte Drecksfaschisten!) auf sich warten, und die wenigsten Diskutanten äußern sich so gelassen wie Johnny Häusler von spreeblick.

Ich bin mir sicher, dass kaum einer derjenigen, die am lautesten "Drecksfaschisten" schreien, die Begründung der BPjM gelesen oder den Unterschied zwischen Indizierung und Zensur verstanden hat.

Die Indizierung bewirkt, dass verhindert werden muss, dass die Inhalte Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Für Erwachsene, die ihre Volljährigkeit wirksam nachgewiesen haben, dürfen die Inhalte weiterhin angeboten werden. Das als Zensur abzukanzeln, bedeutet letztlich auch, Zugangskontrollen zu Nachtclubs oder Videotheken, in denen man nicht nur Benjamin-Blümchen-DVDs ausleihen kann, als unzulässige Bevormundung von Kindern und Jugendlichen zu bezeichnen. Ok, der Bloghoster hat das Blog dann doch abgeklemmt, weil sich für ihn eine wirksame Alterskontrolle mit Passwortschutz und PostIdent trotz Einblendung von Abzockerwerbung für "Teste hier, wie alt Du wirst (und bemerke nicht, dass Du dafür 99,- Euro zahlen sollst)" nicht wirklich rechnet. Aber die BPjM hat niemandem grundsätzlich verboten, seine Meinung zu äußern (oder unnötigerweise die 1000ste Kopie der üblichen Pro-Ana-Inhalte ins Netz zu stellen).

Soweit zum Vorwurf der Zensur. Gerne wird in der Diskussion auch gebracht, dass Übergewicht doch ein viel größeres Problem wäre und man dann doch auch gleich die Webseiten von McDonalds sperren (oder, wenn wir das endlich mal kapiert haben, nur noch Erwachsenen zugänglich machen sollte. Danke) müsste. Gut, was die Webseiten von McDonalds angeht, bin ich einer Diskussion nicht abgeneigt, aber bloß, weil es auch noch andere Probleme gibt, heißt das doch nicht, dass man sich mit einer ganz spezifischen Entscheidung eines ganz spezifischen Problems annehmen könnte. Es gibt immer Leute, die dann schreien, dass da drüben ein noch viel größerer Haufen liegt und der noch viel mehr stinkt. Im übrigen bin ich durchaus der Meinung, dass die BPjM auch Webseiten, die Jugendliche dazu ermutigen, sich zu Tode zu essen, indizieren sollte.

Die Nerds unter den Diskutanten, die sich zwar noch nie mit Anorexie, aber schon desöfteren mit der Umgehung von Zugangssperren für bestimmte Filesharing-Ports auseinandergesetzt haben, werfen auch ein, dass es doch völlig sinnlos wäre, gegen deutsche Webseiten vorzugehen, wo man die gleichen Inhalte doch auch von einem Server im mittleren Osten aus anbieten könnte, wo die deutsche Gerichtsbarkeit überhaupt keinen Zugriff hätte. Unabhängig von einer Grundsatzdiskussion, ob ich mich im Zweifelsfall lieber der deutschen oder einer Gerichtsbarkeit im mittleren Osten unterwerfen würde oder wo ich meine Meinung lieber frei äußern würde, fällt mir da ein, was ich mal von Karl-Heinz Böhm in einem Interview gehört habe. Er hat sinngemäß auf die Frage, ob er denn nicht verzweifeln würde angesichts der vielen Probleme und Hungernden und der Tatsache, dass seine Hilfsaktionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, mit einer Gegenfrage geantwortet. Wenn man auf einer hohen Brücke über einen Fluß stehen würde, auf dem ein Schiff mit hundert Passagieren gekentert sei, und man hätte nur einen einzigen Rettungsring und nicht hundert, ob man ihn dann trotzdem werfen würde?

Gut, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, und der hier hinkt an mehreren Stellen. Aber nur weil sich diese eine Maßnahme nur gegen ein Problem richtet, obwohl es noch viele andere Probleme gibt, und nur weil diese eine Maßnahme nicht auch nur annäherend 100% wirksam ist, heißt das nicht, dass sie vollkommen falsch, lächerlich oder unnötig ist. Es ist ja auch nicht so, dass es nicht auch weitere Maßnahmen und Angebote gäbe.

Dass das nicht reicht, und dass die Titelbilder der üblichen Modezeitschriften das ihre tun, sei dahingestellt. Ich habe jedenfalls wegen der Entscheidung der BPjM nicht das Gefühl, in einem totalitären Staat zu leben. Nicht deswegen.