Frühzeitig erkennbare Indikatoren eines zu erwartenden guten oder problematischen Therapieverlaufes könnten eine entsprechende Anpassung des Therapiekonzeptes und somit eine Optimierung der Behandlung ermöglichen.
Gibt es entsprechende Parameter, die den Therapieerfolg zum Zeitpunkt der Entlassung bereits während des Therapieverlaufes voraussagen können?
Dies war die Kernfrage, der Forscher der Uniklinik Freiburg in ihrer aktuellen Studie nachgingen. Die Autoren konzentrierten sich auf die ersten 12 Einzeltherapie Sitzungen (während der erste 6 Wochen nach Therapiebeginn), da diese Phase die Basis des weiteren Behandlungsverlaufs bildet. Hauptinteresse in Bezug auf Therapieverlauf und Bedeutung für den Therapieerfolg zum Zeitpunkt der Entlassung galt folgenden drei Parametern:
1) der direkte Einfluss einer Sitzung auf die Gefühle und Gedanken des Patienten, 2) bewusste Gedankengänge und Gefühle in Bezug auf Therapie und Therapeuten während des Intervalls zwischen zwei Sitzungen und 3) die Bedeutung der Symptomorientierung zu Behandlungsbeginn.
Zu Beginn der Behandlung von Anorexiepatienten bildet die Stabilisierung des Gewichts einen wesentlichen Schwerpunkt der Therapie. Im Laufe der Gewichtsstabilisierung verschiebt sich der Behandlungschwerpunkt mehr und mehr auf die eigentlichen innern Konflikte und zugrundeliegende zwischenmenschliche Probleme.
Der Therapie-Verlauf von 38 Anorexie-Patienten in insgesamt 344 Sitzungen wurde sowohl aus Patienten- als auch Therapeuten-Sicht beurteilt. Eine Gewichtszunahme auf einen BMI von >17.5 kg/m2 zum Zeitpunkt der Entlassung wurde als positives Therapieergebnis gewertet. Dieses Kriterium wurde von 50% der in der Studie vertretenen Patienten erreicht.
Die Einschätzung des Therapeuten über die Bedeutung der Intervalle zwischen zwei Sitzungen und eine Konzentration der Therapie auf die zwischenmenschliche Beziehung Therapeut-Patient sowie verstärkte Symptomorientierung zu Beginn der Therapie konnten als geeignete Indikatoren für einen generellen Therapieerfolg bewertet werden. Die Einschätzungen der Patienten über den unmittelbaren Einflusses einer Therapiesitzung hingegen stellt keinen geeigneten Indikator für einen Therapieerfolg dar.
In 79% der als positiv bewerteten (BMI > 17.5 zum Zeitpunkt der Entlassung) und 68% der negativ eingestuften Fälle konnte der Therapieverlauf anhand dieser neu definierten Indikatoren korrekt eingeschätzt werden.
Genauere Einzelheiten der Untersuchung sind bei European Eating Disorders Review nachzulesen.
Zeeck & Hartmann (2005): Relating therapeutic processes to outcome: are there predictors for the short-term course in anorexic patients? European Eating Disorders Review 13, 1-10





