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Essstörungen und Immunbiologie

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Essstörungen könnten neben psychischen auch immunologische Ursachen haben. Ein schwedisch-estnisches Forscherteam fand heraus, dass Bulimie- und Anorexie-Patienten Antikörper gegen eine körpereigene Substanz bilden, die an der neuralen Regelung des Hungergefühls beteiligt ist. Betroffene Personen wiesen einen erhöhten Wert von Autoantikörpern gegen das Hormon Alpha-MSH auf. Das könnte wiederum zur Entgleisung des körpereigenen Kontrollsystems für Appetit und Körpergewicht geführt haben, wie ein Team um Serguei O. Fetissov vom Schwedischen Karolinska Institutet vermutet.
Das charakteristisch verschobene Muster im Botenstoffspiegel korrelierte bei den Betroffenen Menschen mit dem Schweregrad der Essstörung: Betroffene, bei denen typische psychologischen Faktoren wie der Drang, dünn zu sein, Körperschemastörung, Misstrauen gegenüber anderen und soziale Unsicherheit stark ausgeprägt waren, wiesen auch stark verschobene Neurpopeptidspiegel auf.

In früheren Studien war bereits festgestellt worden, dass Essstörungen offenbar von einer Änderung im Immunsystem begleitet sind. So wurde eine ungewöhnlich niedrige Konzentration bestimmter Neuropeptide, beispielsweise des Botenstoff Melanotropin, der eine Schlüsselrolle bei der Appetitregulation spielt, festgestellt worden. Auch Botenstoffe, die an der Kontrolle von Stressreaktionen und des Sozialverhaltens beteiligt sind wiesen im Blut von Betroffenen Menschen geringere Konzentrationen auf.

Laut Serguei Fetissov und Kollegen könnten die aufallend hohe Antikörperkonzentration bei Essstörungspatienten auf diese Weise spezifische Botenstoffe „blockieren“ und so die betroffenen Regelkreisläufe stören. Einige Neuropeptide sind Schlüsselelemente in der Appetitkontrolle sowie der Kontrolle von Körpergewicht und Motivation, demnach könnte eine Störung ihres Gleichgewichtes auf das resultierende Verhalten wirken und somit eventuell bei der Entstehung von Essstörungen eine Rolle spielen.

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Fetissov et al. (2005): Autoantibodies against neuropeptides are associated with psychological traits in eating disorders. PNAS.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 20. Oktober 2010 um 13:31 Uhr