Für ein Tanztheaterprojekt, das im April/Mai 2011 aufgeführt werden soll, werden Frauen und Männer mit Essstörungen (Anorexia Nervosa, Bulimia Nervosa oder Fresssucht) gesucht.
Choreographin/Ethnologin sucht Frauen und Männer (Alter egal), die Erfahrungen mit essgestörtem Verhalten haben und neugierig darauf sind, wie diese Erfahrungen als Ausgangspunkt für einen künstlerischen Prozess dienen könnten. Körperliche Grenzen bleiben dabei jederzeit respektiert. Bühnen- oder Tanzerfahrung ist nicht notwendig.Die Anzahl der TänzerInnen ist auf max. 6 begrenzt. Proben werden in Berlin ab Oktober 2010 (zwei)wöchentlich samstags (10.00-13.00) stattfinden, mit Aufführungen im April 2011.
Interesse? Eine Informationsveranstaltung/“Audition“ wird am 18 September 2010 um 11.00 in der Tanzfabrik Berlin, Möckernstraße 68 stattfinden. Mehr Informationen und Voranmeldung unter 017696358579.
Ich freue mich über Ihr Interesse!
--Kareth
Vorhaben:
Seit Jahren haben Ärzte, Therapeuten, Politiker, Lehrer und Eltern über Ursachen und Heilungsmethoden für Essstörungen diskutiert. Eine Vielzahl an Informationskampagnen haben dafür gesorgt, dass die Begriffe „Magersucht“, „Bulimie“, und „Fresssucht“ auch einer breiteren Öffentlichkeit nicht mehr unbekannt sind. Allerdings werden die tatsächlichen Erfahrungen von Menschen die von Essstörungen betroffen sind oft nur in Therapieräumen ausgehandelt. Wie sieht es aus, Tag ein und Tag aus, „nicht“ zu essen? Zu viel zu essen?
Das Tanztheaterprojekt will die Erfahrungen von Menschen mit Essstörungen als Ausgangpunkt für die künstlerische Arbeit nehmen. Die Körper der TeilnehmerInnen sind geprägt von ihren Erfahrungen, und haben daher eine eigene und bedeutende Körperlichkeit, die selten auf der Bühne zu sehen ist. Ein Ziel dieses Projektes ist es, einen Raum zu schaffen in dem diese Körper wertfrei präsentiert werden, um dabei gemeinsam Themen wie Gesundheit, Krankheit, Schönheit und Selbstbestimmung zu erforschen.
Zielgruppe/TeilnehmerInnen:
Das Projekt ist keine Therapie, es ist eine künstlerische und darstellerische Auseinandersetzung mit den Erfahrungen, die mit einer Diagnose „Magersucht“, „Bulimie“, oder „Fresssucht“ einhergehen––auch den Erfahrungen der Therapie. Dementsprechend haben die TeilnehmerInnen an dem Projekt einen Punkt in der Behandlung ihrer Essstörungen erreicht, an dem sie eigenständig und mit Respekt vor ihren Körpern eine Plattform aufbauen können, auf der sie mit anderen über ihre Erfahrungen kommunizieren. Gefragt sind Frauen und Männer (Alter egal), die Erfahrungen mit essgestörtem Verhalten haben und neugierig darauf sind, wie diese Erfahrungen als Ausgangspunkt für einen künstlerischen Prozess dienen könnten. Bühnen- oder Tanzerfahrung ist nicht notwendig.
Arbeitsweise:
Jeder Tanz muss sich den körperlichen Einschränkungen ihrer Tänzer fügen, und bei diesem Projekt wird es nicht anders sein. Tanz wird als Bewegung im weitesten Sinne verstanden, damit Teilnahme am Projekt auch für Personen mit beschränktem Bewegungspotenzial möglich wird. Klar ist, dass hier kein Sport gemacht wird und auch kein Ballet. Es geht um fühlen, in Kontakt mit Mittänzern und Publikum kommen, und darum eine Bühnenpräsenz zu entwickeln. Neben geführten Improvisationen und dem Sammeln von Bewegungsmaterial anhand choreographischen Skripten, wird auch eigenständiges Arbeiten mit Bewegung, Objekte und Text gefördert.
Biographie:
Kareth Schaffer (USA/NL) studierte Europäische Ethnologie und Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin. Ihre BA-Arbeit mit dem Titel „Thin Description: Erzählungen über Essstörungen“ analysierte anhand von drei qualitativen Interviews die Erzählformen von Frauen mit Essstörungen über ihre Krankheit. Dieses Tanztheaterprojekt ist die performative/körperliche Fortsetzung dieser Recherche. Kareth hat schon ihre choreographischen Arbeiten an der Tanzfabrik (Berlin) und Barnes Crossing (Köln) gezeigt, und in Oktober 2010 wird sie mit dem BA Zeitgenössischer Tanz, Kontext, Choreographie an der Universität der Künste Berlin anfangen.






Kommentare
Was wenn man bis April 2011 etwas zunimmt und nicht mehr so magersüchtig aussieht, ist es auch OK, darf man trotzdem teilnehmen?