Das Internet bietet Menschen nahezu jederzeit und überall zugänglich die Möglichkeit zur Information und Kommunikation. hungrig-online.de wurde 1999 mit der Zielsetzung gegründet, Menschen mit Essstörungen verschiedenen Alters und mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen eine erste Anlaufstelle zu sein. Mittlerweile ist das Projekt das größte deutschsprachige Internetportal für Essstörungen. Seit Herbst 2004 ist der Hungrig-Online e.V. Mitglied im Bundesfachverband Essstörungen.
Im Herbst 2003 wurde eine Befragung der Projektteilnehmern mittels eines Online-Fragebogens durchgeführt. Das Angebot von hungrig-online.de wird überwiegend positiv bewertet.
An der Online-Studie nahmen 1006 Teilnehmer teil. Die Altersverteilung der Teilnehmer lag bei 13–59 Jahren, der Altersdurchschnitt bei 23,4 Jahren. 31% der Teilnehmer waren bis 19 Jahre alt. Im vorgestellten Artikel werden die Antworten der 312 13- bis 19jährigen Teilnehmer genauer ausgewertet.
Einige Ergebnisse der ersten Online-Befragung werden hier vorgestellt: Drei Viertel der Befragten litten aktuell an einer Essstörung, was unterstreicht, dass die Zielgruppe durch das Angebot von hungrig-online.de gut erreicht wird. Die Hälfte von ihnen hatte bisher noch keine Therapie gemacht, obwohl die Dauer der Essstörung von über einem Viertel mit "seit 3-5 Jahren" angegeben 30% befanden sich aktuell in Therapie, 19,9% hatten eine Therapie bereits beendet oder abgebrochen. Der hohe Prozentsatz derer, sich nicht von selbst in professionelle Hilfe begeben, zeigt deutlich die Notwendigkeit einer Hilfsmaßnahme auf, die diese Betroffenenen aktiv zu erreichen versucht. Auf die Frage nach Komorbiditäten Depression, werden selbstverletzendes Verhalten, Schlaflosigkeit und Angst als häufigste Probleme angegeben.
Nur 4,2% der Befragten antworteten, hungrig-online sei ein guter Ersatz für eine professionelle Therapie. Diese Einschätzung ist auch aus Sicht der Betreiber sehr erfreulich, sie dokumentiert realistisch und richtig die Bedeutung und Möglichkeiten des Internets. Über 85% der Jugendlichen waren der Meinung, dass hungrig-online bei der Bewältigung von Essstörungen helfen kann, knapp zwei Drittel meinten, sie hätten auf diese Weise Fortschritte in der Bewältigung der Essstörung gemacht, die ihnen ohne die Unterstützung von hungrig-online nicht möglich gewesen wären. Die Informations- und die Kommunikationsangebote von hungrig-online (und magersucht-online bzw. bulimie-online) wurden von drei Viertel der Befragten als nützlich bei der Bewältigung ihrer Essstörung eingeschätzt. Diese Ergebnisse stimmen zuversichtlich, dass hungrig-online.de einen wichtigen und sinnvollen Platz im Sektor "Hilfe bei Essstörungen" ausfüllt.
Den vollständigen Artikel zur Online-Befragung können Sie in der Novemberausgabe der Zeitschrift Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie nachlesen.
Nedoschill et al. (2005): www.hungrig-online.de: Einige Ergebnisse einer Online-Befragung der größten deutschsprachigen Internet-Selbsthilfegruppe Essstörungen. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 54 (9), 728-741.





