Ein im Zusammenhang mit Bulimie häufig genanntes Antidepressivum ist Fluoxetin (z.B. Fluctin®). Fluoxetin ist ein Antidepressivum vom Typ der Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und ist im Rahmen eines zugleich auch psychotherapeutischen Gesamtkonzeptes zur Behandlung von Bulimie zugelassen. Es soll helfen, Heißhungeranfälle zu reduzieren und die Gefahr eines Rückfalls in die Bulimie verringern. Die Wirksamkeit von Fluoxetin bei der Behandlung von Bulimie konnte in placebokontrollierten Studien wiederholt bestätigt werden. Noch unklar ist, worauf der positive Effekt von Fluoxetin auf die Symptome der Bulimie zurückführen lässt. Denkbar ist, dass Fluoxetin - wie auch andere SSRI - als Nebenwirkung Appetitmangel verursacht, der in diesem Fall therapeutisch genutzt wird. Indirekt könnte sich die Behandlung depressiver Symptome positiv auf das Essverhalten auswirken.
Walsh et al. (2000) untersuchten in einer placebokontrollierten Studie den Effekt von Fluoxetin an 21 Patienten mit Bulimie, denen eine Psychotherapie wenig geholfen hatte oder die nach ihrer Psychotherapie wieder rückfällig geworden waren. Die Patienten wurden per Zufall auf zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekam 8 Wochen lang täglich 60mg Fluoxetin, die andere ein Placebo. In der Fluoxetin-Gruppe reduzierten sich sowohl Fressanfälle als auch Erbrechen auf ca. 20%, während sich die bulimischen Symptome in der Placebo-Gruppe verschlechterten. Walsh et al. (2000) kamen zu dem Schluss, dass Fluoxetin eine wirksame Intervention bei Patienten mit Bulimie sein kann, die schlecht auf eine Psychotherapie angesprochen haben.
Romano et al. (2002) untersuchten ob Fluoxetin nach einer Akutbehandlung von Bulimie auch langfristig Rückfälle verhindern kann. Patienten mit Bulimie nahmen zunächst an einer 8-wöchigen Akutbehandlung mit Fluoxetin teil, auf die ca. 65% der Patienten erfolgreich (d.h. mit einer Verbesserung der bulimischen Symptomatik) reagierten. Diese Patienten wurden per Zufall in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekam für 52 Wochen täglich 60mg Fluoxetin, die andere ein Placebo. Patienten, die langfristig Fluoxetin bekamen, blieben länger rückfallsfrei und hatten weniger Fressanfälle als Patienten, die nach der erfolgreichen Akutbehandlung mit Fluoxetin nur noch ein Placebo bekommen hatten.
Goldstein et al. (1999) stellten in einer placebokontrollierten Studie fest, dass Patienten mit Bulimie erfolgreich mit Fluoxetin behandelt werden können und zwar unabhängig davon, ob gleichzeitig eine depressive Symptomatik vorliegt oder nicht. Sie folgerten, dass der positive Effekt von Fluoxetin bei der Behandlung von Bulimie nicht nur ein Nebeneffekt der antidepressiven Wirkung von Fluoxetin ist.





