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Home Häufige Fragen Imaginationsübungen Was sind Imaginationsübungen und wozu dienen sie?

Was sind Imaginationsübungen und wozu dienen sie?

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Die im Folgenden aufgelisteten Imaginationsübungen stammen aus dem Buch Imagination als heilsame Kraft von Luise Reddemann. Klett-Cotta 2001, Zwölfte Auflage, 2006. ISBN: 3-608-89034-3. Die Texte wurden uns freundlicherweise durch den Verlag Klett-Cotta zur Verfügung gestellt.

Dr. Luise Reddemann und Prof. Ulrich Sachsse (NLKH Göttingen) haben zusammen ein Konzept zur Behandlung mono- und polytraumatisierter Menschen in den letzten Jahren entwickelt, mit dem inzwischen sehr viele Traumakliniken und -stationen arbeiten. Dr. Luise Reddemann war bis Ende 2003 Chefärztin der Klinik für Psychotherapeutische und Psychosomatische Medizin des Ev. Johannes-Krankenhauses Bielefeld. Ihr Interesse galt dort von Anfang an der Behandlung von Menschen mit schweren Traumatisierungen und in Zusammenarbeit mit dem dortigen Behandlungsteam entstand das Konzept der Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie, PITT®. Diese traumazentrierte imaginative Therapie gliedert sich in drei Phasen:

I. Stabilisierungsphase
II. Traumakonfrontations- oder Traumabegegnungsphase zur Traumasynthese
III. Integrationsphase

Die Imaginationsübungen sind wichtiger Bestandteil dieses Therapiekonzeptes und finden Anwendung in allen drei Phasen.
Um die Bedeutung der Übungen und ihre Anwendung ein wenig zu erläutern, hier ein paar nähere Ausführungen zur Stabilisierungsphase:

Stabilisierungsphase: Im Erstkontakt mit dem Patienten klärt der Therapeut ab, wie stabil der Patient ist, welche Ressourcen er bereits mitbringt, er fragt nach Situationen, die Kraft und Freude bringen. Von Seiten des Therapeuten wird nicht nach Traumata und anderen belastenden Situationen gefragt. Möchte der Patient von sich aus jedoch unbedingt darüber reden und dies erwähnen, so wird er darum gebeten, sich vorher von den schmerzhaften Affekten zu distanzieren. Der Patient kann derartige Situationen schildern, als würde er als Reporter darüber berichten. Erst wenn genügend Selbstmanagment vorhanden ist, was in der Stabilisierungsphase erst geübt werden muss, kann dem Trauma so begegnet werden, dass der Patient nicht erneut traumatisiert wird.
In der Stabilisierugsphase geht es darum, Methoden zu erlernen, um sich selbst zu trösten und zu beruhigen. Für viele Patienten ist es eine neue hilfreiche Erfahrung zu erkennen, dass sie die Kontrolle über die quälenden inneren Zustände erlernen können. Dazu dient u.a. die Arbeit mit dem Inneren Kind sowie die Imaginationsübungen des inneren sicheren Ortes und der inneren Helfer, welche wohl schamanischen Ursprungs sind.

Mit dem Erlernen dieser Übungen haben die Patienten die Möglichkeit, den inneren schlechten Bildern gute gegenüber zu stellen, so dass wieder ein inneres Gleichgewicht hergestellt werden kann. Die Patienten können zwischen den Bildern hin- und herpendeln und erlangen somit wieder ein gewisses Maß an Kontrolle. Außerdem ist es Ziel zu erlernen, sich sicher(er) zu fühlen und wahrzunehmen, welche Maßnahmen dazu erforderlich sind, sowie das Aufsuchen und Verstärken aller Ressourcen, das Anwenden nährender Imaginationsübungen wie der Baumübung.
Weiterhin werden in der Stabilisierungsphase Wissen und Informationen über Trauma und Traumafolgen vermittelt.

Durch das Erlernen der Tresorübung haben die Patienten die Möglichkeit, mit Flashbacks umzugehen und traumatisches Material erst einmal unbearbeitet wegzupacken, um es zu einem späteren Zeitpunkt wieder hervorzuholen und bearbeiten zu können.

Als weiterer Punkt lernt der Patient den achtsamen Umgang mit sich selbst, mit seinem Körper. Dazu dienen Imaginationsübungen wie die Achtsamkeitsübung sowie die zu diesem Zeitpunkt schon in die Therapie integrierte Körperarbeit. Als Methoden haben sich da das Qi Gong, Breema und die Arbeit nach Feldenkrais bewährt. Es wird darauf geachtet, dass möglichst kein traumatisches Material bei der Körperarbeit getriggert wird.

Da viele Patienten sehr heftige Gefühle mitbringen, sie zeitweilig davon überflutet werden oder das reine Gegenteil, gar keinen Zugang mehr zu ihren Gefühlen haben, lernen sie in dieser ersten Phase auch den differenzierten Umgang mit den Affekten. Dazu haben sich die Bildschirmtechnik und die Vorstellung von der Anwendung eines inneren Reglers für die Gefühle bewährt.
Des weiteren lernt der Patient, seine traumabedingten Coping-Strategien wie Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten oder extremes Misstrauen Mitmenschen gegenüber zu verstehen und zu würdigen und solange als sinnvoll zu erachten, ehe er neue gesunde Strategien entwickelt hat, die diese dann ersetzen.

Bei der Arbeit mit Traumatisierten wird zwar auch der Übertragung und Gegenübertragung Beachtung geschenkt, jedoch wird nicht psychoanalytisch interveniert, statt dessen wird ein imaginärer Raum zwischen Patient und Therapeut geschaffen, der als "innere Bühne" erlaubt, eine relativ tragfähige Arbeitsbeziehung zu entwickeln.

Im Anschließenden folgen die Übungsanleitungen.
Wir möchten hierzu noch sagen, dass es durchaus möglich ist, diese Übungen allein daheim zu machen, sie sind vielmehr auch dazu gedacht. NUR: Jeder Mensch ist anders. Es ist trotzdem sinnvoll, sich vorsichtig heranzutasten, erst einmal es mit einer Übung zu probieren. Es klappt nie bzw. selten beim ersten Mal, sondern bedarf einiger Übung.
Wer in ambulanter Therapie ist, kann die ersten Male die Übung ja auch am Ende der Stunde zusammen mit der Therapeutin/dem Therapeuten als gemeinsamen Abschluss machen.
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 05. April 2010 um 09:33 Uhr  

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