Neuroleptika sollten in der Regel nicht nur kurzfristig eingenommen werden; Ausnahmen sind lediglich organische Psychosen wie zum Beispiel im Alkoholentzugsdelir, im Drogenrausch oder bei einer schweren Schilddrüsenüberfunktion, da hier die psychotischen Symptome nach erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung nicht mehr auftreten. Dann können eingesetzte Neuroleptika auch relativ schnell wieder abgesetzt werden.
Bei schizophrenen Erkrankungen, schizoaffaktiven Psychosen, einer manisch-depressiven Erkrankung (bipolare Störung) sollte man sehr vorsichtig vorgehen und die Medikamente nicht zu früh absetzen. Gerade unter Schizophrenen kommt es leider immer wieder vor, dass Patienten nach wenigen Monaten ihre Medikamente wegen Wohlergehens eigenmächtig absetzen und dann wenige Wochen später im erneuten akuten schizophrenen Schub wieder in das psychiatrische Krankenhaus zur medikamentösen Neueinstellung aufgenommen werden müssen.
Nach Erstmanifestation einer Schizophrenie oder einer schizoaffektiven Psychose (Mischbild aus schizophrener Erkrankung und affektiver Störung, also Manie oder Depression) sollte man mindestens ein halbes Jahr neuroleptisch behandelt werden, bevor ein langsames Ausschleichen der Medikamente in enger Zusammenarbeit mit dem fachkundigen Arzt versucht werden kann.
Hat man bereits einen zweiten Schub durchgemacht, sollte überhaupt nicht abgesetzt werden, sondern eine Rezidivprophylaxe für zwei bis fünf Jahre vorgesehen werden (insbesondere wenn nebenwirkungsarme atypische Neuroleptika zum Einsatz kommen können). Der Hintergrund dieses Vorgehens ist, dass jeder neue Schizophrenieschub dem Erkrankten einen hohen kognitiven wie auch sozialen Schaden zufügen kann (Verlust kognitiver Fähigkeiten und Interessen; Verlust des Arbeitsplatzes bzw. der bisherigen sozialen Integration). Dieser Schaden ist in der Regel deutlich höher als die Bürde einer langzeitigen Medikamenteneinnahme.
Wichtige Aufgabe des erstbehandelnden Arztes, aber auch des sozialen Umfelds (Partner, Eltern) ist es deshalb, den Erkrankten zu einer solchen Therapie zu motivieren und seine Medikamenten-Compliance zu fördern. Der Schizophrene unterscheidet sich hier nicht vom medikamenten- und insulinpflichten Diabeteskranken; beim Diabetes mellitus ist dies jedoch allen Beteiligten einleuchtender als bei der Schizophrenie.




