Neuroleptika wirken, indem sie Dopamin-Rezeptoren im Zentralen Nervensystem blockieren und so die Wirksamkeit des Neurotransmitters Dopamin vermindern. Dopamin kommt im ZNS in mehreren Systemen vor: dem mesolimbischen und mesokortikalen Dopaminsystem, dem nigrostriatalem Dopaminsystem und dem tubero-infundulären Dopaminsystem.
Die klinisch erwünschte Wirkung von Neuroleptika ist auf die Blockade von Dopamin-Rezeptoren im mesolimbischen und mesokortikalen Dopaminsystem zurückzuführen.
Man geht heute davon aus, dass diese beiden Systeme bei schizophrenen Personen hyperaktiv sind. Das heißt, die Nervenzellen, die mit dem Neurotransmitter Dopamin arbeiten, feuern zu oft und übertragen zu viele Botschaften und erzeugen so die Symptome der Schizophrenie.
Neuroleptika blockieren dopaminerge Rezeptoren im mesolimbischen System und „bremsen“ so die überaktiven Nervenzellen. Dadurch wird die antipsychotische Wirkung der Neuroleptika bei einer drogeninduzieren Psychose oder Schizophrenie vermittelt.
Die Blockade dopaminerger Rezeptoren im mesokortikalen Dopaminsystem hilft gegen die bei einer Psychose auftretenden kognitiven Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Aufmerksamkeitsstörungen.
Ein weiteres System, das mit dem Neurotransmitter Dopamin arbeitet ist das nigrostriatale Dopaminsystem. Das nigrostriatale System ist für die Motorik und dabei insbesondere für Bewegungen aus eigenem Antrieb und komplexe Bewegungsabläufe zuständig. Durch Neuroleptika können über die Blockade von Dopamin-Rezeptoren in diesem System Nebenwirkungen auftreten, die extrapyramidal-motorische Störungen (EPS) genannt werden und sich wie folgt äußern:
• Akathisie, d.h. ein Unvermögen, ruhig zu sitzen, Trippelmotorik• Parkinsonähnliche Symptome wie Tremor (Zittern), Rigor (erhöhter Muskeltonus) und Akinese (Bewegungsarmut)
• Dystonie, d.h. kurz anhaltende oder auch fixierte abnorme Körperhaltungen, vor allem im Mundbereich, an den Augen, Hals und Rücken
Diese Symptome treten häufig auf, wenn Neuroleptika in hohen Dosen genommen werden müssen. Mit einer Reihe neuerer Substanzen, so genannten atypischen Neuroleptika, können extrapyrimidal-motorische Störungen weitgehend vermieden werden.
Zu Beginn der Behandlung mit Neuroleptika können außerdem Frühdyskinesien auftreten. Diese äußern sich durch unwillentliche Zungen- und Schluckbewegungen, unwillkürliche Muskelbewegungen und Krämpfe der Wangen- und Nackenmuskulatur sowie der externen Augenmuskeln. Auch die Mimik kann gestört sein. Diese Symptome verschwinden im Allgemeinen nach einer Woche.
Ein drittes System, in dem Dopamin eine Rolle spielt, ist das tubero-infunduläres System. Dopamin hemmt die Ausschüttung von Prolaktin, einem Hormon, das die Milchdrüsen stimuliert. Neuroleptika „fördern“ durch die Dopaminblockade die Sekretion von Prolaktin, so dass es zu einer prolaktin-bedingten Milchabsonderung aus den Brustdrüsen kommen kann, die oft als Nebenwirkung bei der Behandlung mit Neuroleptika auftritt. Auch sexuelle Dysfunktionen und Störungen der Menstruation sind mögliche Nebenwirkungen, die mit der Blockade dopaminerger Neurone im tubero-infundulären System in Zusammenhang stehen.




