Wir möchten Ihnen im Folgenden so weit wir können behilflich sein, eine Essstörung zu erkennen. Allerdings muss hier schon im Vorfeld angemerkt werden, dass auch wir keine ultimativen Kriterien an die Hand geben können, durch die man eine Essstörung erkennen könnte. Die im folgenden aufgelisteten Kriterien beziehen sich auf Erfahrungen; eine Norm von Punkten zum Erkennen von essgestörtem Verhalten gibt es leider nicht.
Folgende Punkte könnten auf eine Essstörung hinweisen:
- Extremes Unter- oder Übergewicht
- Gewichtsschwankungen
- Nahrungsverweigerung/ übermäßige Nahrungsaufnahme
- Körperliche Begleiterscheinungen (z.B. Kreislaufprobleme)
- Psychische Begleiterscheinungen (z.B. Stimmungsveränderungen)
- Soziale Begleiterscheinungen
- Veränderung der Schulleistung
Treffen einige dieser Kriterien auf eine/n Ihrer SchülerInnen zu? Dann können Sie auf unseren Internetseiten Tipps bekommen, wie Sie betreffende Schülerinnen oder Schüler am besten auf die Problematik einer Essstörung ansprechen können. Wir möchten Sie allerdings noch einmal darauf hinweisen, dass oben genannte Kriterien Erfahrungswerten entsprechen und nicht isoliert betrachtet werden sollten. Bei der Vermutung, dass es sich bei einer Schülerin/einem Schüler um eine Essstörung handeln könnte, muss immer der Gesamteindruck der betreffenden Person berücksichtigt werden, da einzelne Kriterien durchaus auch andere Ursachen haben könnten.
1. Extremes Unter- oder Übergewicht
Ein wichtiges, aber auch immer wieder überschätztes Kriterium bei der Erkennung einer Essstörung ist selbstverständlich das Gewicht der Betroffenen. Starkes Untergewicht kann genauso wie starkes Übergewicht auf eine Essstörung hinweisen. Allerdings sollte dieser Aspekt des Gewichts nicht als alleiniger Punkt betrachtet werden um ein eventuell gestörtes Essverhalten zu erkennen, da bei manchen Formen der Essstörung (beispielsweise der Bulimie) trotz extrem gestörtem Essverhalten ein normales Gewicht gehalten wird.
2. Gewichtsschwankungen
Mehr als das alleinige Gewicht der Personen könnten Gewichtsschwankungen auf eine Essstörung hinweisen. Betroffene haben oft in kurzen Zeiträumen extreme Gewichtsschwankungen, die alle Gewichtsstufen beinhalten können. Bei solch extremen Schwankungen des Körpergewichts liegt die Vermutung nahe, dass eine Essstörung vorliegen könnte.
3. Nahrungsverweigerung oder übermäßige Nahrungsaufnahme
Ein wesentlicher Punkt einer Essstörung äußert sich im Essverhalten der betroffenen Person. Auffallende Nahrungsverweigerung kann genauso wie übermäßige Nahrungszufuhr ein Anzeichen für ein gestörtes Essverhalten sein.
4. Körperliche Begleiterscheinungen
Oftmals äußern sich bei einer Essstörung auch körperliche Begleiterscheinungen, von denen Kreislaufprobleme eine der häufigsten, nach außen sichtbaren sind. Vor allem bei Unter- und unterem Normalgewicht sind häufig Kreislaufprobleme als körperliche Mangelerscheinungen zu beobachten.
Allerdings müssen gerade bei diesem Kriterium deutliche Grenzen gezogen werden, da Kreislaufprobleme in der Pubertät oftmals auch ohne ein gestörtes Essverhalten auftreten können. Kreislaufprobleme alleine sind somit eher nicht als Hinweis auf eine Essstörung zu deuten, da diese verschiedene Ursachen haben können.
5. Psychische Begleiterscheinungen
Als eine psychische Erkrankung hat eine Essstörung meist auch Auswirkungen auf die Stimmung der Betroffenen, die sich nach außen in starken Stimmungsveränderungen und/ oder -Schwankungen äußern können. Dies kann von depressiven Verstimmungen bis hin zu euphorischen Phasen reichen. Starke Veränderungen sollten immer so weit möglich beobachtet werden um festzustellen, ob es sich um eine kurzzeitige (und somit durchaus normale) oder um eine tiefere und somit eventuell krankhafte Veränderung handelt.
6. Soziale Begleiterscheinungen
Eine Essstörung kann auch soziale Begleiterscheinungen verursachen, die sich oftmals in sozialem Rückzug und extremer Zurückhaltung äußern; aber auch provokatives und exzessives Verhalten kann während einer Essstörung auftreten.
Oftmals nehmen essgestörte Personen auch eine Außenseiterrolle ein, durch die sie sich immer mehr vom sozialen Leben ab- und ihrer eigenen Welt zuwenden. Gerade im Schulalltag können auch Vermeidungen von Veranstaltungen wie beispielsweise Ausflüge oder Klassenfahrten, beobachtet werden.
7. Veränderung der Schulleistung
Parallel mit einer Essstörung kann sich auch die Schulleistung der betroffenen Person verändern. Diese reicht von extremem Perfektionismus und einwandfreien Leistungen bis hin zu Leistungsabfall und Arbeitsverweigerung. Auch das Fernbleiben vom Unterricht kann durch eine Essstörung ausgelöst werden.
Andrea Wohlleber







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