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Information und Kommunikation bei Essstörungen

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Stellungnahme des Hungrig Online e.V. zu Anfragen von Medienproduzenten

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Häufig erhalten wir Anfragen von Produktionsfirmen, Fernsehsendern und Zeitschriftenredaktionen, die uns bitten, einen Kontakt zu Betroffenen von Essstörungen herzustellen.

Zunächst einmal freuen wir uns sehr, dass diese Anfragen nicht direkt im Forum an die Hungrig-Online-User herangetragen, sondern dass wir als Verein zwischengeschaltet werden. Jedoch sehen wir in der Regel von einer Vermittlung Betroffener ab. Dies hat mehrere Gründe, die sich auf Erfahrungen der Vereinsmitglieder stützen, die mehrheitlich ehemals Betroffene sind:

  1. Wir sind in erster Linie ein Selbsthilfeforum, das sich zum Ziel gesetzt hat, Betroffenen eine Plattform zum Austausch zu bieten, auf der sie sich aussprechen, zuhören und Rat geben können. Wir möchten sie nicht mit der Masse an Medienanfragen belästigen.
  2. Wir halten es für den Genesungsprozess der Betroffenen nicht für angebracht, sich dem Stress eines Medienauftritts auszusetzen. Dieser Stress kann das Essverhalten zumindest zeitweise verschlechtern oder einen Rückfall verursachen. Die Gesundheit unserer User hat für uns oberste Priorität.
  3. Das größte Interesse bei den Anfragen, die uns erreichen, liegt bei Magersucht. Insbesondere die Visualisierung extrem untergewichtiger Personen kann von betroffenen Zuschauern nicht als Abschreckung, sondern als Ansporn verstanden werden, diesen Bildern nachzueifern und (weiter) abzunehmen. Kritisch sehen wir zudem die damit einhergehende Gleichsetzung von Magersucht mit Essstörungen. Die Erkrankung umfasst weit mehr Facetten wie Adipositas, Bulimie und Binge Eating.
  4. Wir finden es bedenklich, wenn Reality- und Helpformate suggerieren, dass eine Genesung mit einem mehrstündigen bis mehrtätigen Coaching durch Experten oder Psychologen zu erreichen sein soll. Damit geht in unseren Augen eine Verharmlosung dieser schwerwiegenden Erkrankung einher, die nicht selten komplizierte psychische und physische Folgen nach sich zieht und in der Regel längerfristige Therapie verlangt.
  5. Eine Essstörung ist sehr oft mit dem Wunsch nach Aufmerksamkeit verbunden. Bei erhöhtem Interesse vonseiten der Medien und diesbezüglichen Anfragen wird der Eindruck erweckt, dass durch das gestörte, krankhafte Essverhalten und/oder die extreme Abweichung vom Normalgewicht das Ziel, nämlich mehr Aufmerksamkeit, erreicht werden kann. Dadurch kann die Krankheitseinsicht erschwert werden.
  6. Die Konsequenzen eines Fernsehauftrittes, in dem sich die Betroffenen einem weiten Personenkreis als psychisch Kranke zu erkennen geben, können erheblich sein und beispielsweise den Berufseinstieg erschweren. Daher halten wir es insbesondere für unverantwortlich, explizit an Kinder oder sehr junge Jugendliche heranzutreten, die diese Folgen oftmals nicht abschätzenkönnen.
  7. Wir sind prinzipiell gern bereit, als Experten zu Fragen, die Essstörungen betreffen oder die sich speziell mit (Online-)Selbsthilfe befassen, Stellung zu nehmen.

    Wir bitten aber um Ihr Verständnis, dass wir Anfragen nach Protagonisten nicht weiterleiten möchten.

    Für weitere Informationen können Sie gern mit unserer Pressereferentin Kontakt aufnehmen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Das Team des Vereins Hungrig-Online e.V.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. September 2011 um 11:12 Uhr  

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