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Heidi Klum Show "Germany's next Top Models"

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Führende Online-Selbsthilfegruppe warnt vor Zunahme von Essstörungen

Als verantwortungsloses Spiel mit den Sehnsüchten und Schönheitsidealen von Mädchen und jungen Frauen bewertet die größte Online-Selbsthilfegruppe bei Essstörungen, www.hungrig-online.de, die Heidi Klum Show "Germany’s next Top Models" auf Pro7. Dass eine junge Frau mit einem Gewicht von 52 kg bei 176 cm Körpergröße als nicht geeignet abgelehnt werde, weil der Taillenumfang um 2 cm zu groß sei, habe eine verhängnisvolle Wirkung für die vielen Mädchen und Frauen, die sich vom immer noch gängigen Schlankheitswahn in der Gesellschaft beeindrucken lassen, so der gemeinnützige Verein. Die ausgeschlossene Kandidatin Irina hat mit einem Body Mass Index von 17 bereits jetzt deutliches Untergewicht (normaler Wert 19-24 bei jungen Frauen) und kann leicht in eine Magersucht hineinrutschen, wenn sie das Urteil der Jury beherzigt.

"Wir befürchten, dass sich viele Mädchen und Frauen durch den in der Show propagierten Schlankheitswahn anstecken lassen und jetzt erst recht in eine Essstörung rutschen", warnt die Vorsitzende des Selbsthilfe-Vereins Hungrig-Online, Helen Hertzsch. "Viele der schätzungsweise 500 000 Betroffenen in Deutschland haben das krankhafte Schlankheitsideal bereits so verinnerlicht, dass es sehr schwierig ist, ihnen zu helfen. Die Medien sollten mehr über Essstörungen und Hilfsangebote aufklären, anstatt figurfixiertes Denken bei jungen Frauen noch zu fördern.", erklärt die Diplom-Psychologin, die sich wissenschaftlich intensiv mit dem Thema Essstörungen beschäftigt hat.

Die ModeratorInnen der verschiedenen Online-Foren unter www.hungrig-online.de, in denen sich Betroffene anonym untereinander austauschen können, stellen bereits jetzt zunehmend Äußerungen von Betroffenen fest, die die mageren Körper der Models verherrlichen und sich ein ähnlich geringes Körpergewicht wünschen.

So befürchtet auch der medizinische Leiter der Internet-Selbsthilfegruppe, Dr. Peter Leiberich, dass die Show zu einer Zunahme von Magersucht (Anorexia nervosa) und Ess-Brech-Sucht (Bulimie) bei Gefährdeten führt. „Während meiner Arbeit als Psychotherapeut bei der Online-Selbsthilfegruppe sowie in einer Rehabilitations-Klinik für Essgestörte erfahre ich täglich, dass erkrankte Mädchen und Frauen, vereinzelt auch Männer, ihren Selbstwert vorwiegend von ihrem Gewicht und ihrer Figur abhängig machen“, erklärt Leiberich. „Bei Magersüchtigen bedeutet dies oft, dass bereits zwei Äpfel und ein Joghurt am Tag als zu viel angesehen werden und schwerste Gefühle des Versagens und des schuldhaften Verhaltens auslösen", so die Erfahrung von Leiberich.

An Bulimie erkrankte Personen, die auf das genussvolle Essen nicht verzichten wollen, aber ebenfalls rigide das Gewicht kontrollieren, laufen nach dem Essen auf die Toilette, um mit dem Finger im Hals die Nahrung zu erbrechen und so die kalorienreiche Mahlzeit ungeschehen zu machen.

Jasmin Hemicker, ebenfalls Vorsitzende bei Hungrig-Online, kann der Pro7 Show nur einen positiven Aspekt abgewinnen: "Es ist gut, dass durch die erneut aufkommende Diskussion die hohen Erkrankungsraten in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten und dass die Modelindustrie kritisch hinterfragt wird."

Das Internet-Angebot www.hungrig-online.de besteht seit 1999 und gilt mit inzwischen rund 20.000 registrierten Nutzern und zurzeit 1 Millionen Seitenabrufen pro Monat als die größte Selbsthilfegruppe bei Essstörungen im Internet. Betroffene, Angehörige und Interessierte können sich über die Website anonym informieren und per Mailing-Liste, Online-Chat und Diskussionsforum untereinander austauschen. Hinter dem Web-Angebot steht der gemeinnützige Verein Hungrig- Online e.V., der sich zum Ziel gesetzt hat, Betroffenen und Angehörigen zu helfen, über Essstörungen aufzuklären und ein öffentliches Bewusstsein für diese immer weiter verbreiteten Krankheiten zu schaffen. Ermöglicht wird das Selbsthilfe-Angebot durch rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiter sowie Spenden.

Hungrig-Online ist Mitglied im Bundesfachverband Essstörungen e.V., dem Zusammenschluss gemeinnütziger Träger ambulanter Beratungs- und Therapieeinrichtungen.

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. Februar 2010 um 13:52 Uhr  

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