Erste von therapeutischen Fachkräften angeleitete Internet-Gruppen kommen bei Betroffenen gut an.
"Unsere virtuellen Selbsthilfegruppen (vSHG) finden ausschließlich im Internet statt. Viele Betroffene können und wollen keine SHG besuchen – zum Beispiel weil es in ihrer Gegend keine geeignete Gruppe gibt, weil ihre Arbeitszeiten es nicht erlauben oder auch, weil sie den Schutz der Anonymität wünschen“ erklärt der Gründer des Vereins, Dr. med. Jan Nedoschill, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. "Die vSHGs verbinden ideal die Vorteile des Internet (schützende Anonymität, zeitliche und räumliche Unabhängigkeit) mit den Vorteilen einer angeleiteten SHG (Kontinuität, Geborgenheit und professionelle Unterstützung). Im virtuellen Austausch fehlt zwar die Mimik und Gestik, dennoch wird auch über den schriftlichen Austausch ganz viel Authentizität transportiert, so dass schnell eine für alle Teilnehmer hilfreiche Gruppendynamik entsteht".
Bisher haben 90 Personen an 13 Gruppen teilgenommen, und das Feedback ist positiv:
• "In einer realen SHG (…)würde ich nicht so offen sein können, wenn mich ein Dutzend oder mehr Augenpaare mustern oder einfach körperlich da sind….Mein Medium ist sowieso mehr das Schreiben als das Sprechen".
• "Ich finde es enorm wichtig, dass der Gruppenraum immer offen ist. Das Fehlen zeitlicher Rahmenbedingungen ist für mich ein zentraler Vorteil virtueller Kommunikation.... (es war mir wichtig), in meinem gesicherten Umfeld schreiben zu können (Rückhalt bei schwierigen Themen, Möglichkeit mich auszuklinken wenn nötig)"
• "Meine Erwartungen bzgl. der Auseinandersetzung mit den eigenen Ursachen der Essstörung wurden übertroffen. Der virtuelle Raum ermöglichte ein spontanes Äußern von Gedanken und gab anderseits die Möglichkeit sich bei Bedarf zurück zu ziehen."
Nun erweitern zusätzliche virtuelle Gruppen für bestimmte Zielgruppen das erfolgreiche Angebot. Den Auftakt machte im Oktober eine Gruppe für die Zielgruppe "Ü30", denn die "Teenagerkrankheit" tritt immer häufiger auch bei erwachsenen Menschen auf oder zieht sich bis weit in das Erwachsenenalter hinein. "Jetzt werden wir uns um den Aufbau einer Angehörigengruppe und einer Männergruppe kümmern." kündigt Maike Reimer an. Die nächste virtuelle Gruppe für Betroffene startet im Januar 2010, Anmeldungen sind noch möglich.
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