durchgeführt bei
DIE BRÜCKE Beratungs-
und Therapiezentrum e.V.
Eßstörungsbereich
Durchschnitt 27
Walddörferstr. 337
20146 Hamburg
22047 Hamburg
(040) 450 44 83
(040) 668 36 36
Inhaltsübersicht:
Vorbemerkung
1. Beschreibung
der Einrichtung
1.1. Personelle Besetzung2. Nosologische Einordnung von Eßstörungen
1.2. Grundprinzipien und Ziele
1.3. Kooperation im Therapieverbund
1.4. Therapeutische Angebote
3.1. Anorexia Nervosa4. Theorien zur Entstehung von Eßstörungen
3.2. Bulimie
3.3. Adipositas
4.1. Anorexia Nervosa5. Eßstörungen bei Männern
4.2. Bulimie
4.3. Adipositas
7.1. Indikation8. Behandlung
7.2. Psychosoziale Diagnostik
7.3. Klassifikationsschemata
8.1. AllgemeinesLiteraturverzeichnis
8.2. Behandlungsplan
8.3. Therapiephasen
8.4. Krisenintervention
8.5. Nachsorge
Sehr geehrte Leserin, sehr
geehrter Leser,
die Schrift, die Sie in
Ihren Händen halten, hat in ihrer Entstehung eine annähernd 10-jährige
Geschichte. In sie fließen die theoretisch-konzeptionelle Arbeit
und die praktisch-therapeutischen Erfahrungen der KollegInnen ein, die
für und in der "Brücke e.V." tätig waren oder sind. Seit
dem Bestehen der "Brücke e.V." sind viele Faltblätter und ein
Informationsheft herausgegeben worden, einige Konzeptmanuskripte sind unveröffentlicht
geblieben. Basis von dem vorliegenden "Konzept Ambulante Eßstörungstherapie
und Nachsorge" ist insbesondere die Evoluationsstudie von 1992, in der
die Effektivität und Qualität der Eßstörungstherapie
in der "Brücke e.V." untersucht wurde.
Im gemeinschaftlichen Engagement
der MitarbeiterInnen des Eßstörungsbereiches wurden die genannten
Schriften durchgesehen, in Diskussionen teilweise neu bewertet, aktualisiert,
ergänzt, und in seine jetzige Form gebracht.
Wir wünschen Ihnen
beim Lesen Freude und viele Anregungen. Wir wünschen uns, mit Ihnen
ins Gespräch und in eine fachliche Auseinandersetzung kommen zu können.
Herzlichst
Ihr Team des Eßstörungsbereichs
"Die Brücke e.V."
1. Beschreibung der Einrichtung
Die "Brücke e.V." ist ein Träger, der die ambulante Behandlung suchtgefährdeter und süchtiger Menschen sicherzustellen versucht. Bisher existieren drei Arbeitsbereiche:
1.1. Personelle Besetzung des Eßstörungsbereiches
Das Team besteht daher aus
Diplom-PsychologInnen, Diplom-SozialpädagogInnen und KollegInnen anderer
psychosozialer Grundberufe, alle ausgebildet in tiefenpsychologisch ausgerichteten
Verfahren der humanistischen Psychologie (u.a. in Familien- und Paartherapie,
Integrative Gestalt- und Bewegungspsychotherapie/FPI, leiborientierte Psychotherapien,
Gesprächspsychotherapie, HAKOMI, Hypnosetherapie nach Milton Erickson,
NLP) und mit langjähriger therapeutischer Erfahrung.
Als Behandlungsverfahren
wird ein tiefenpsychologischer, multimodaler Therapieansatz verfolgt, in
dem die jeweiligen Ausbildungsrichtungen integriert werden. Da wir über
keine ärztliche MitarbeiterIn verfügen, wird eine enge Zusammenarbeit
mit den, die KlientInnen betreuenden, niedergelassenen Ärzten gepflegt.
1.2. Grundprinzipien und Ziele
Unserer Auffassung nach handelt
es sich bei Eßstörungen um psychosomatische Erkrankungen mit
Suchtcharakter. Wir vertreten ein multifaktorielles Modell der Entstehung
von Eßstörungen und Suchterkrankungen und deren Folgen: Sowohl
psychische, geistige, körperliche, soziale, kulturelle als auch materielle
Aspekte sind dabei wirksam und miteinander verknüpft. Immer ist der
ganze Mensch betroffen. Daher muß die Behandlung darauf ausgerichtet
sein, dem kranken Menschen in allen o.a. Aspekten Hilfe anzubieten.
Aus diesem Ansatz ergibt
sich unmittelbar, daß psychische und körperliche Heilung sowie
soziale Wiedereingliederung und Rehabilitation gleichermaßen angestrebt
werden. Die Hauptziele unserer ambulanten Therapie und der Nachsorge stationärer
Behandlung sind somit:
1.3. Kooperation im Therapieverbund
Der Eßstörungsbereich der "Brücke e.V." ist ein Teil des Therapieverbundes für eßgestörte Menschen sowie deren Angehörige. Innerhalb dieses Verbundes besteht enge Zusammenarbeit mit allen Stellen, die an der Behandlung mitarbeiten. Insbesondere sind dies die niedergelassenen ÄrztInnen (Hausärzte, Internisten, Gynäkologen, Psychiater und Neurologen), die psychosomatischen und psychotherapeutischen Abteilungen der Krankenhäuser und Kurkliniken.
Unser therapeutisches Angebot läßt sich wie folgt gliedern:
Wir betrachten Eßstörungen
als psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter. Es erfolgt eine von
der psychoanalytischen Theorie als Abwehr beschriebene "Verschiebung" der
inter- und intrapsychischen Konflikte auf die instinkthaft-materielle Ebene
der Nahrungsaufnahme. Das erzeugt einen Zustand, der nie zu einer wirklichen
Sättigung führt. Da keine adäquate Befriedigung der grundlegenden
Bedürfnisse, wie z.B. nach Kontakt, Zuwendung, Anerkennung, Wärme,
persönlichem Entfaltungs- und Freiraum erfolgt, ist die zwanghafte,
süchtige Beschäftigung mit dem Essen die Folge. Ein seelisch-körperlicher
Teufelskreis entsteht, obwohl dem Körper nicht, wie bei der Drogen-
und Medikamentenabhängigkeit, Fremdstoffe zugeführt werden.
Durch ein Zuviel oder Zuwenig
an Nahrung werden im Körper biochemische Kompensationsmechanismen
in Gang gesetzt, die zur Aufrechterhaltung der Symptomatik führen,z.B.
Heißhungerattacken bei Unterzuckerungszuständen.
3. Symptomatologie von Eßstörungen
Die Magersucht findet sich vorwiegend bei Mädchen im Zeitraum zwischen der Vorpubertät und dem 25. Lebensjahr. Daraus wird schon deutlich, daß es sich um eine Krise im Entwicklungsschritt von der Jugendlichkeit zur Adoleszenz handelt. Charakterisierend ist hier ein "absichtlich selbst herbeigeführter und/oder aufrechterhaltener Gewichtsverlust", der durch Nahrungsverweigerung hergestellt wird (vgl. Richtlinien der WHO im ICD 10, 1991). Häufig ist die subjektive Einschätzung der Körpermaße verzerrt. Männer sind weitaus seltener betroffen.
Typisch sind eine andauernde gedankliche Beschäftigung mit dem Essen sowie Fressattacken. Bei den Fressattacken werden große Mengen Nahrung in sehr kurzer Zeit zu sich genommen, anschließendes absichtliches Erbrechen soll das Körpergewicht nahezu konstant halten. Es kommt dabei meistens nicht zu der starken Abmagerung wie bei der Anorexie, manchmal jedoch zu leichtem Unter- oder Übergewicht. "Die Alters- und Geschlechtsverteilung ähnelt der Anorexia nervosa. Das Alter bei Beginn liegt geringfügig höher" (ICD-10 ebenda). Wiederholtes Erbrechen kann zu Elektrolyt- und anderen körperlichen Störungen führen.
Kennzeichnend ist hier übermäßiges Essen mit seinen starken somatischen und psychischen Folgeerscheinungen. Essen hat hier Abwehrfunktion gegenüber unliebsamen Gefühlen und Kognitionen. Während durch starkes Übergewicht körperliche Funktionen extrem belastet werden, führt es psychisch zu verminderten Selbstwertgefühl, häufig auch zum Rückzug und zu sozialer Isolation. Hier kann sich ein Teufelskreis entwickeln, da die unerwünschten psychischen Folgen des Übergewichts wiederum zu vermehrten Essen führen. Häufig ist die subjektive Einschätzung der Körpermaße verzerrt.
4. Theorien zur Entstehung von Eßstörungen
Die Ätiologie von Anorexia
Nervosa, Bulimia Nervosa und Adipositas ist bisher aus psychoanalytischer,
verhaltenstherapeutischer, familientherapeutischer und feministischer Sicht
beschrieben worden. Im folgenden werden diese Erklärungsansätze
jeweils zusammengefaßt aufgeführt. Analog zu der benutzten Literatur
und zur Vereinfachung beschränken wir uns bei der Niederschrift auf
die weibliche Form, wollen damit jedoch nicht die Existenz männlicher
Anorektiker, Bulimiker und Adipöser ausschließen, deren Anzahl
in der Tat steigend ist.
Zwischen der Anorexia Nervosa,
der Bulimia Nervosa und der (psychisch bedingten) Adipositas bestehen wesentliche
Gemeinsamkeiten (BRUCH, 1973). Alle drei Gruppen sind durch Körperschemastörungen,
Störungen der proprio- und interozeptiven Wahrnehmung und einem alles
durchdringenden Gefühl der eigenen Insuffizienz und Wertlosigkeit
gekennzeichnet. Diese Auffassung wird von der vorliegenden Literatur bestätigt
und deckt sich auch mit unseren Beobachtungen aus der therapeutischen Arbeit.
Dementsprechend finden sich auch Ähnlichkeiten in der Ätiologie
o.a. Eßstörungen/Eßsüchte.
Psychoanalytische Ansätze
Laut KARREN (1983) wird
die Anorexia Nervosa von Psychoanalytikern als orale Störung angesehen
und den Neurosen oder Psychosen zugeordnet. Entsprechend thematisieren
psychoanalytische Theorien hier Triebkonflikte, Objektbeziehungen oder
Defizite der Ich-Entwicklung von Anorektikerinnen (GOODSITT, 1984). "Traumatischen
Erfahrungen in der frühen Mutter-Kind-Beziehung, in der das Kind nicht
zu selbst-initiiertem Verhalten ermutigt wird und seine Bedürfnisse
nicht befriedigt werden", führen zu einer oralen Fixierung und Ambivalenz,
zu einem defizitären Selbstbild und einer mangelnden Ich-Stärke
(BRUCH, 1991). Fügen sich Erwartungen insbesondere der Mutter hinzu,
ihre Tochter müsse ihr Leben vervollständigen oder sogar die
Rolle der Ersatzfrau für den Vater übernehmen, gepaart mit ablehnender
Einstellung der Mutter gegenüber Männern und Sexualität,
wird eine Unfähigkeit zur differenzierten Wahrnehmung körperlicher
Empfindungen und Bedürfnisse gebildet. Außerdem entstehen Ängste,
Triebimpulse nicht befriedigend kontrollieren zu können, Gefühle
von eigener Ineffektivität und die Ablehnung der eigenen Geschlechtsidentität
und Sexualität. Das Verhältnis zur Mutter wird als ambivalent
und symbiotisch erlebt. Dieses und bulimische Triebdurchbrüche, körperliche
Veränderungen mit Beginn der Pubertät und Adoleszenz, erwartete
Ablösung von den Eltern und Zuwendung zu Gleichaltrigen (insbesondere
männlichen Geschlechts), bilden einen angstauslösenden Konflikt,
der in eine Regression auf oraler Ebene führt. Die Magersucht fungiert
als vermeintliche Rettung, in dem sie ein Freisein von bewußten Ängsten,
ein Gefühl der Selbstkontrolle, Bedürfnislosigkeit, Eigenständigkeit
und Identität erleben läßt. Die symbiotische Beziehung,
zur Mutter wird aufrechterhalten bei gleichzeitiger verdeckter Rache an
ihr und Selbstbestrafung (BRUCH, 1991). Sexuelle Triebimpulse werden abgewehrt,
indem die Anorektikerinnen die in ihrem Hungergefühl erfahrene Triebhaftigkeit
durch Askese zu überwinden suchen (vgl. THOMÄ, 1961 und SPERLING,
1978).
Familiendynamische Ansätze
Die Anorexia Nervosa wird
hier als Symptom einer Systemstörung betrachtet. Die meisten Vertreter
familientherapeutischer Ansätze zählen die Magersucht zu den
psychosomatischen Störungen. SPERLING (1982) betrachtet sie als einen
Grenzfall zwischen Neurose und psychosomatischer Erkrankung. PALAZZOLI
(1978) ordnet sie aufgrund der Symptomatik den Psychosen zu. Sie unterscheidet
zwischen der "echten" Anorektikerin, die sich im Kampf gegen den eigenen
Körper befindet und der neurotischen Form, die direkt auf eine traumatische
Enttäuschung zurückzuführen ist. Von MINUCHIN, ROSMAN u.
BAKER wird die Anorexia Nervosa mit einem Spiegel verglichen, der die Art
und Weise, wie die gesamte Familie sich verhält, aufzeigt. Alle o.g.
familientherapeutischen VetreterInnen stellen die Familiensysteme, in denen
AnorektikerInnnen aufwachsen, sehr ähnlich dar. Sie beschreiben die
Starrheit des Familiensystems, die Verstrickung der Familienmitglieder
untereinander, in der keine Individuation zulässig ist, ihre Überfürsorglichkeit
und Neigung, Konflikte zu vermeiden und die Tendenz der Eltern, anorektische
Kinder in ihre Partnerkonflikte einzubeziehen als charakteristische Merkmale
dieser Familien.
Die Bindung der Familie
dient als hauptsächlister Interaktionsmodus, wobei das Familiensystem
nach außen hin stark verschlossen ist. Innerhalb des Systems gibt
es keine Grenzen zwischen den Familienmitgliedern. Dabei fungiert das Symptom
als Bindeglied und Puffer für den Erhalt der Familie und gleichzeitig
als Abgrenzugsversuch der Anorektikerin, um ein gewisses Maß an Individualität
aufzubauen (STIERLIN, 1984).
Verhaltenstherapeutische
Ansätze
Anorexia Nervosa wird von
Verhaltenstherapeuten bei Gleichsetzung von Symptom und Störung meist
zu den Störungen des Eßverhaltens gezählt (BRADY u. RIEGER,
1975). HAUTZINGERS Ätiologiemodell (1980) beschreibt die Entwicklung
der Anorexia Nervosa durch klassische und operante Konditionierung und
Modellernen. Kognitive Prozesse werden berücksichtigt, die Verhaltensstörungen
bedingen und selbst Teil einer Verhaltensstörung sein können.
Das gestörte Eßverhalten geht mit einem gestörten
Sozialverhalten einher. Für die Entstehung werden Umweltbedingungen,
Verhalten von Familienmitgliedern und relevanten Bezugspersonen, biologische
Merkmale, Einstellungen und Lernprozesse verantwortlich gemacht.
Feministischer Ansatz
Der Feministische Ansatz
betrachtet die Anorexia Nervosa als "hochorganisierte Anpassungsleistung
an gegebene gesellschaftliche und familiäre Bedingungen" (OVERBECK
1977, in KARREN, 1986). Sie wird als frauenspezifische, psychosomatische
Störung betrachtet und den (sozialen) Neurosen zugeordnet. DOMINIK
(1982) geht von der Annahme aus, daß die Magersucht eine spezifische
Problembewältigungsstrategie darstellt, die durch die Sozialisationserfahrungen
von Frauen geprägt ist und sich durch Unselbständigkeit, Aufopferung
für die Familie sowie Konflikt- und Aggressionsscheu auszeichnet.
In der Ätiologie der
Anorexia Nervosa beziehen sich feministische TherapeutInnen, mit einer
gewissen Abgrenzung, auf die Psychoanalyse. Nach ORBACH (1984) werden gesellschaftlich
bedingte und individuell erlebte psychische Probleme durch die Nahrungsverweigerung
zu lösen versucht. In der Unterdrückung von Hungergefühlen
und der Deformierung des weiblichen Körpers sieht sie die Spiegelung
der ablehnenden Haltung der Gesellschaft gegenüber der "sündhaften,
gefährlichen und unberechenbaren" weiblichen Sexualität. Die
Zweifel an der eigenen Existenzberechtigung als Frau führen nach ORBACH
zu der hohen Leistungsmotivation von Anorektikerinnen. Ihre Hyperaktivität
interpretiert sie als den Versuch, Einfluß auf eine frauenfeindliche
Welt zu nehmen. WEBER (1979) sieht die anorektische Symptomatik als neurotischen
Versuch, widersprüchliche gesellschaftliche und familiäre Rollenerwartungen
zu erfüllen und gleichzeitig in Frage zu stellen.
Insgesamt wird die Anorexia
Nervosa hier als Erfüllungsversuch geschlechtsspezifischer, gesellschaftlicher
Rollenerwartungen in Perfektion bei gleichzeitiger Protesthaltung ihnen
gegenüber verstanden.
Psychoanalytische Ansätze
Die Psychoanalyse geht von
einer frühen und vermutlich strukturellen Störung der Mutter-Kind-Beziehung
aus (SENF, 1991). Im ersten Lebensjahr kommt das Kind von einem primären
Zustand der Symbiose mit der Mutter zu einer beginnenden Differenzierung
zwischen Selbst- und Objektwelt. ERIKSON (1974) hat die Bedeutung der oralen
Phase für den Erwerb des Urvertrauens hervorgehoben.
In der oralen Phase des
Kleinkindes sind narzißtische Zufuhr und Nahrungszufuhr noch nicht
voneinander zu trennen. Bulimie kann demnach als ein auf die Symptomebene
verlegter regressiver Versuch gesehen werden, über die Nahrungsaufnahme
ein ansonsten unaushaltbares Gefühl der Leere zu bekämpfen, mit
dem Ziel, etwas dringend Benötigtes zu bekommen, um die Nachteile
der massiven Inkorporation danach durch Erbrechen wieder "wegzumachen"
oder auch "wiedergutzumachen" (MENTZOS, 1991). Wenn in der frühen
Mutter-Kind-Beziehung eine ausreichende Differenzierung zwischen dem Ich
der Mutter und dem Ich des Kindes nicht gelingt - z.B., weil die Mutter
aufgrund ihrer eigenen inneren Befindlichkeit eine ausreichende Autonomie
des Kindes nicht zulassen und ertragen kann -, komme es zu "empfindlichen
Störungen des Prozesses der Separation und der Individuation beim
Kind" (MAHLER, 1972).
Bei der Bulimie wird neben
der oralen Entwicklungsphase auch die anal-sadistische als wichtig angesehen.
MENTZOS (1991) führt aus, es sei vorstellbar, daß der bulimische
Anfall der Darstellung einer gierigen, zerschneidenden und verschluckenden
Introjektion des ambivalenten Objekts und seiner anschließenden Exkorporation,
des Ausspuckens des unerträglichen Objekts; entspricht. Gerade die
psychosomatische Konkretisierung diene der sonst schwer zu leistenden Abgrenzung.
DITTERT (1983) beschreibt,
daß sich die orale Gier vorwiegend aus der Blockierung sämtlicher
potentieller Befriedigungsmöglichkeiten ergibt: "Es ist naheliegend,
daß von den Eß-Brechsüchtigen die Nahrung mit der Mutter
gleichgesetzt wird. Deshalb wird sie weich verschlungen, um sich in selbsttröstender
Weise mit der ersehnten guten Mutter zu vereinigen, öfter noch hart
zermalmt, um sich an der 'bösen' Mutter zu rächen." DITTERT interpretiert
die Bulimie-Anfälle als oral-sadistische Impulse, wobei Essen und
Erbrechen als "Einheit und zugleich als Waffe gegen die Mutter verwendet
werden".
Familiendynamische Ansätze
Die familiendynamischen
Bedingungen, die zur Entstehung der Bulimia Nervosa führen, ähneln
sehr denen der Anorexia Nervosa (vgl. Pkt. 4.1.). SCHMIDT (in: BRAKHOFF,
1985) zeigt auf, daß nach bisherigen Erfahrungen bei beiden Erkrankungen
die gleichen Wertsysteme wirksam sind, wobei jedoch die bulimische Familie
konfliktreicher auftritt. Dabei handelt es sich um ein geschlossenes System,
d.h. Veränderungen werden als Bedrohung angesehen und Anderssein als
Mangel an Liebe und Respekt. Es existieren feste Vorstellungen, wie andere
Familienmitglieder zu denken, zu fühlen und sich zu verhalten haben,
die nicht einmal in Frage gestellt werden. Familienmitglieder reden übereinander,
nicht miteinander; die Gefühle werden negiert. Familienregeln werden
nicht erläutert und sind verdeckt. Das Einhalten wird rigide überwacht
durch ein extremes Kontrollsystem bis hin zu körperlichen Züchtigungen.
Die Auseinandersetzung der Eltern untereinander wird vermieden. Die Bulimikerin
ist identifizierte Patientin. (LUTHMANN/KIRSCHENBAUM, 1973) Von ihr wird
frühzeitig Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Stärke
erwartet, während sie selbst "...verdeckte, enorm starke Sehnsüchte
nach Versorgtwerden, schwach sein dürfen...." erlebt (BRAKHOFF, 1985).
Dieses zeichnet häufig auch die Familienpathologie von Alkohol- und
Drogenabhängigen aus.
Feministische Ansätze
Die Entstehung der Bulimia
Nervosa aus feministischer Sicht gleicht weitgehend dem der Adipositas.
Auch hier wird das Eßverhalten als aktiver Moment im Kampf gegen
das Weiblichkeitsstereotyp deklariert. Besonders betont wird die Eß-/Brechsucht
als aktive Widersetzung gegen den Anpassungsdruck, der von gesellschaftlichen
und familiären Normen ausgeht und auf Frauen ausgeübt wird (LANGSDORFF,
1985). Die Bulimie spiegelt in eindrücklicher Weise das Wertesystem
der Gesellschaft in zweifacher Hinsicht: Einerseits entspricht die Bulimikerin
der normierten Rollenerwartung perfekt und sie bleibt dem Konsumverhalten
als Merkmal einer fortschrittsgläubigen Gesellschaft treu, andererseits
widersetzt sie sich dem Anpassungsdruck, der von der Gesellschaft und von
familiären Normen ausgeht und auf Frauen ausgeübt wird.
Anorexia Nervosa und Adipositas sind bis vor kurzer Zeit als zwei verschiedene psychosomatische Erkrankungen angesehen worden. In der klinischen Praxis und in der Forschung wurde bald deutlich, daß beide Erkrankungen bei derselben Person alternieren können. Diese Tatsache führte dazu, von dieser sogenannten dichotomen Auffassung abzuweichen, was besonders in den psychoanalytischen- und den feministischen Ansätzen deutlich wird. H. BRUCH (1991) setzt bei beiden Symptomen denselben pathogenetischen Lernprozeß voraus. Dieser ist gekennzeichnet durch ein dreifaches psychisches Dysfunktionieren: ein gestörtes Körperkonzept, eine verzerrte Wahrnehmung und kognitive Interpretation innerer Stimuli sowie ein lähmendes Gefühl der Hilflosigkeit und Ineffektivität.
Psychoanalytische Ansätze
M. KLEIN (1940/1962, in:
BATTEGAY, 1987) sieht in der Adipositas ein Symbol für eine ständige
""Suche nach einem sie (die Adipöse) und ihre Bedeutung verstärkenden
Objekt"". Ihnen fehlt in ihrer Kindheit die Erfahrung des liebenden, zuwendenden
und bestätigenden Objekts, dessen Erleben für eine gesunde, autonome
Entwicklung notwendig ist. Da sie damit keine adäquate Selbstrepräsentanz
und nur eine schlechte Objektrepräsentanz entwickeln konnten, suchen
sie nach jener Selbstbestätigung und jener Fusion mit einem Objekt,
das sie über ihren Mangel hinwegbringen könnte. Dabei können
sie in ihrer Fusionstendenz mit einem Objekt nie befriedigt sein und fügen
sich daher stetig neue Objekte zu. MAHLER (1968/1972) ergänzt diesen
Ansatz in ihrer Beschreibung um dieselben Auswirkungen, die von einer "Überfütterung"
des Kindes in Bezug auf taktile und orale Reize ausgeht, wenn es überstimuliert
wird. Sowohl bei Unterversogung als auch bei Überbehütung wird
das Kind zeitlebens nach Fusion, nach Ernährung, nach Aufnahme von
Objekten streben.
BRUCH (1991) und PALAZZOLI
(1978) beschreiben die Entstehung der Adipositas als die Folge einer inadäquaten
Reaktion der Mutter auf Unlust und Spannungszustände des Säuglings
und des Kindes. Es wird davon ausgegangen, daß die Wahrnehmungen
von Körpersensationen wie Durst, Müdigkeit, Hunger und Sättigung
nicht von vornherein als erkennbares Muster festgelegt sind. Die Selbstwahrnehmung
von Körpergefühlen und ihre Diskrimination sind vielmehr das
Ergebnis eines dynamischen interpersonalen Interaktionsprozesses mit der
Umwelt. Hauptsächlich über das "feedback" durch die Mutter lernt
das Kind unterschiediche Körpersensationen voneinander zu trennen.
Wird auf die unterschiedlichen Gefühle des Kindes mit der sogenannten
"oralen Verwöhnung" (permanentes Nahrungsangebot) reagiert, so kann
das Kind nicht eindeutig zwischen Hunger und anderen unangenehmen Gefühlen
unterscheiden lernen. Somit kann es zu Fehlinterpretationen verschiedener
Spannungszustände als Hunger kommen und Körpergefühle, die
grundsätzlich keinen Bezug zu Appetit oder Hunger haben, werden mit
Nahrungsaufnahme in Beziehung gesetzt. So kann sich ein neurotisches Verhalten
im Symptom der hyperphagen Reaktion manifestieren, welches insbesondere
in Belastungssituationen auftritt.
Familiendynamische Ansätze
Auch die Adipositas wird
in familientherapeutischen Ansätzen als Symptom einer Systemstörung
verstanden. Die Familien adipöser Kinder werden übereinstimmend
als ein nach außen hin geschlossenes System beschrieben (STIERLIN,
1984; ALIABADI/LEHNIG, 1990; BRUCH, 1991). Die Grenzen zwischen den Generationen
sind aufgehoben, gravierende Störungen der Interaktions- und Kommunikationsmuster
mit widersprüchlichen Rollenzuweisungen erschweren den Aufbau der
Ich-Grenzen beim Kind (BRUCH, 1991). Die Individualität wird zugunsten
der Familienloyalität geleugnet. Als weiteres typisches Merkmal wird
die überprotektive Haltung der Eltern genannt. In das spätere
adipöse Kind werden bereits vor der Geburt Erwartungen und Wünsche
nach einer Persönlichkeit oder einen sozialen Aufstieg gesetzt, den
die Eltern angestrebt haben, jedoch selbst nicht verwirklichen konnten.
Das Kind dient hier der Verwirklichung der elterlichen Interessen (RICHTER,
1978). Die Entwicklung des Kindes wird lediglich auf der Leistungsebene
gefördert. Es wird hier "zu etwas ganz Besonderen" gemacht und unter
einen Leistungsdruck gestellt, der Mißerfolge zu einem Versagen der
gesamten Familie werden läßt und bei dem Kind zu tiefen Kränkungen
führt. Es gelingt ihm nicht, die Differenz zwischen den Ansprüchen
der Eltern und dem tatsächlich Erreichten psychisch zu bewältigen
(ALIABADI u. LEHNIG, 1990). Es wird angenommen, daß adipöse
Kinder das Essen als Kompensation der ständig erlebten Mißerfolge
benutzen. Das Übergewicht dient als Schutz gegen die überhöhten
Anforderungen der Eltern (ebenda 1990).
Verhaltenstherapeutische
Ansatz
Das verhaltenstherapeutische
Entstehungsmodell von PUDEL (1982) geht von verschiedenen Faktoren aus,
die in je unterschiedlicher Kombination und Gewichtung die manifeste Adipositas
hervorrufen können. In seiner Ätiologie berücksichtigt es
sowohl den unabänderbaren physischen Bereich wie die genetischen und
konstitutionellen Faktoren (Geschlecht, Fettgewebszellularität, Körperbau,
Lebensalter, Körpergröße), die Theorie des Modellernens
bezüglich des Eßverhaltens unter besonderer Berücksichtigung
der familiären Tradition der Ernährungsgewohnheiten und des Elternverhaltens
wie kognitive und emotionale Einstellungen, Kenntnisstand, intellektuelle
Verarbeitung und Selbstkontrolle. Ebenso geht es auf intrapsychische Konflikte
(Neurotizismus), auf die soziale Umwelt, die Bezugsgruppennorm, das Image
der Adipositas und den sozioökonomischen Status ein. Weiterhin führt
es eine überhöhte Außenreizabhängigkeit (Externalität),
ein mangelndes Diskriminationslernen in der Kindheit hinsichtlich Appetit-
und Sättigungsgefühlen, eine Störung der Sättigungsregulation
und eine hyperphage Reaktion vor oder in Streßsituationen als Faktoren
auf, die multipel an der Entstehung der Adipositas beteiligt sind.
Feministischer Ansatz
Mit einem feministischen
Erklärungsansatz für die Adipositas trat S. ORBACH in ihrem "Anti-Diät-Buch"
1978 an die Öffentlichkeit. Sie analysiete die Fettleibigkeit als
individuelle Reaktion auf komplexe gesellschaftliche Bedingungen. ORBACH
legt ihren Fokus auf die weibliche Körperlichkeit. Sie sieht die Eßsucht
als Versuch der Frauen an, mit der Welt "zurechtzukommen". Demnach sehen
Grauen sich einem Frauenleitbild ausgesetzt, bei dem Körperumfang
und äußere Erscheinung (Schlankheitswahn) wichtig sind, um in
der Gesellschaft anerkannt zu werden. Dicksein stellt hier den Versuch
dar, sich von der gesellschaftlichen Rolle zu befreien und ist eine Reaktion
auf die Ungleichheit der Geschlechter, die bedingt und gefördert wird
durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, Eßsucht ist überwiegend
ein Frauenproblem und sie schließt daraus, daß die Erfahrungen,
die eine Frau in der Gesellschaft macht, damit in Beziehung stehen. Außerdem
sieht ORBACH in der Eßsucht ein Ausdruck der Rebellion gegen die
Machtlosigkeit der Frauen. Sie schaffen sich damit Raum, den sie sonst
nicht haben. ORBACH (1981) geht davon aus, daß eßsüchtige
Frauen sich unbewußt für das Dicksein entscheiden und damit
eine unbewußte Handlung und Aussage darüber machen, wie sie
ihr eigenes Leben in der Gesellschaft empfinden. Das Essen, des Eßverhalten
und die Fettleibigkeit sind als Lösungsversuche anzusehen, die dazu
dienen, der konflikthaften Situation, Frau in dieser Gesellschaft zu sein,
zu begegnen.
Gestörtes Eßverhalten
kommt bei Männern in den letzten Jahren immer häufiger vor. Eine
Risikogruppe stellen hier vor allem die 10- bis 25-jährigen dar. Oft
bleibt die Eßstörung in ihrem vollen Ausmaß unerkannt,
da sie in der Öffentlichkeit als Frauenkrankheit etikettiert ist.
Hinzu kommt die Angst, als homosexuell zu gelten. Die Scham, die Kontrolle
über die "normalste Sache der Welt" verloren zu haben, wirkt bei der
Hilfesuche hinderlich. Alle Formen von Eßstörungen kommen bei
Männern vor. Die Abwechslung und die Verbindung mit anderen Süchten
sind möglich. Bis heute gibt es über Eßstörungen bei
Männern wenig Forschung, dafür um so mehr Therapieerfahrungen.
Als gesellschaftliche Faktoren können gelten: Die Rolle des Mannes
ist durch die Emanzipation verändert und weniger eindeutig definiert.
Traditionelle Werte werden in Frage gestellt und bieten keine eindeutig
positive Orientierung mehr. Das führt zu einem verunsicherten Selbstbewußtsein
und zu der Frage: "Werden Männer noch gebraucht?". Dazu kommt ein
zunehmender Leistungsdruck aus der Arbeitswelt und die Angst vor der Arbeitslosigkeit,
die, tritt sie einmal ein, gerade für den Mann eine Verminderung des
Selbstwertgefühls bedeutet, der ja in seiner traditionellen Rolle
als "Brotverdiener" gilt. Die Schönheitsindustrie, Fitneßwelle
und Werbebranche tun ihr Übriges und versprechen Erfolg, das Ideal
zu erreichen, das er nie erreichen kann.
Eßstörungen sind
orale Störungen, somit muß zunächst das Augenmerk auf die
frühe Mutter-Kind-Beziehung gelegt werden. Der Säugling befindet
sich in völliger Abhängigkeit. Mit der Nahrungsaufnahme werden
körperliche und psychische Bedürfnisse befriedigt, eigenes Körperbewußtsein
erlernt und andere Personen erfahren: die eigene Identität formt sich
aus.
Eßgestörte Menschen
sind häufig entweder mit Liebe überschüttet worden, in einer
Atmosphäre des Mangels aufgewachsen oder erlebten ein Wechselbad aus
beidem. Beim Jungen kann entweder ein fehlender oder ein überstrenger
Vater eine spätere Eßstörung begünstigen. Welche Form
von Eßstörung der Sohn auch ausbildet, immer bedeutet sie für
den Vater Provokation, Kränkung, Verletzung und Ärger. Was der
Sohn eigentlich ausdrücken will, wie den Wunsch nach mehr Zuwendung
oder Verständnis, die Wut auf seinen strengen Vater oder die Verweigerung
von Ansprüchen des Vaters an ihn, wird vom Vater nicht verstanden.
Das Tabu gerade bei Männern, über Gefühle zu sprechen, macht
schließlich eine Annäherung unmöglich, die doch so sehnlich
erwünscht ist. In der Umbruchphase zwischen Jugend und Erwachsenenalter
äußert sich dieser Konflikt dann im Essen. Der Mann ist emotional
lange kindlich geblieben. Kontakte zu Beziehungspersonen und auch nach
außen sind überschattet von Ängsten vor Bindung und Abhängigkeit,
bzw. von der Suche nach einer konfluenten Beziehung.
Die tiefe Beziehungsstörung,
für die das Leiden am und im Körper Ausdruck ist, kann langsam
behoben werden. Zum Beispiel im Kontakt zu einem Therapeuten oder in einer
therapeutischen Gruppe zu anderen Männern oder in der durch Therapeuten
begleitenden Arbeit mit der Familie.
Übergeordnete Behandlungsziele, wie schon unter 1.2. erwähnt, sind:
7.
Indikation und Psychosoziale Diagnostik
Folgende Indikationskriterien gelten für die Aufnahme in die ambulante Therapie:
Im Anschluß an die Indikationsstellung "Ambulante Therapie" wird eine umfangreiche und mehrere Sitzungen erfordernde psychosoziale Diagnostik durchgeführt. Grundsätzlich erheben wir Eigen- und Fremdanamnesen. Wir erheben Daten zu folgenden Bereichen:
Die Diagnostik und Klassifikation einer Eßstörung orientiert sich an Kodierungen F50.0 bis F50.9 innerhlb der klinisch-diagnostischen Leitlinien der "Internationalen Klassifikation psychischer Störungen ICD 10" der Weltgesundheitsorganisation WHO (1991). Dabei bildet die Adipositas einen Sonderfall, da sie nicht als Eßstörung im vorgegebenen Klassifikationsschema enthalten ist, sondern subsumiert wird unter der Kategorie "Verhaltensauffälligkeiten, Eßattacken bei anderen psychischen Störungen, F50.4".
Bei unserem therapeutischen Handeln lassen wir uns grundsätzlich von folgenden Prinzipien leiten:
Der integrative Therapieansatz
von der "Brücke e.V." zeigt sich in der Mehrdimensionalität des
Behandlungsangebots, das in einer sorgfältigen Eingangsdiagnostik
und Therapieplanung gemeinsam mit der/dem KlientIn abgesprochen und individuell
zusammengestellt wird.
Die Elemente des Behandlungsplans
für die ambulante Therapie können der folgenden Übersicht
entnommen werden:
Der gesamte Therapieverlauf läßt sich in drei Phasen aufteilen. Das folgende Schema zeigt die Gliederung des Verlaufs:
Klienten, die nach Abschluß einer ambulanten oder stationären Eßstörungstherapie oder nach Ende einer Selbsthilfegruppe rückfällig werden und/oder eingegrenzter therapeutischer Hilfe bedürfen, werden therapeutisch aus der Krise begleitet.
Nach einer stationären
Eßstörungstherapie in einer Kurklinik oder psychosomatischen
Abteilung eines Krankenhauses ist eine ambulante Nachsorge notwendig, denn
das Rückfallrisiko ist groß (vgl. S. BAECK, 1994). In der Klinikatmosphäre
entsteht der sogenannte "Glasglocken-Effekt", so daß die Entlassung
aus der stationären Behandlung eine große Umstellung bedeutet.
Die Betreffenden brauchen Hilfestellung, "um weiterhin mit Ausdauer und
Geduld an sich zu arbeiten und das Vertrauen in den langfristigen Erfolg
und zu sich selbst nicht zu verlieren". (vgl. MADER, NESS, Hrsg., 1987).
An dieser entscheidenden Stelle der Behandlung und Wiedereingliederung
besteht eine große Versorgungslücke, dem das Nachsorge-Konzept
der "Brücke e.V." Rechnung trägt. Die "Brücke e.V." gewährleistet
sowohl den nahtlosen Übergang von der isolierten Kliniksituation in
das Lebensumfeld der Klienten und ermöglicht durch die Nähe zum
alltäglichen Kontext das direkte Umsetzen der Therapieerfahrungen
in den Lebensalltag. Neben der Nachsorge im Anschluß an eine stationäre
Behandlung ist ebenfalls die Nachsorge nach einer ambulanten Therapie eine
wichtige Phase in der Behandlung der Betroffenen (vgl. ARENZ-GREIVING,
1990). Hierzu bietet die "Brücke e. V." weitere Hilfen an wie Fortgeschrittenengruppen,
begleitende Einzelsitzungen je nach Bedarf und Ehemaligentreffs sowie Vermittlung
in Selbsthilfegruppen oder andere unterstützende Einrichtungen.
Ziele der Nachsorge sind:
Nachbemerkung
Falls Sie nach der Lektüre
unseres Konzeptes Fragen oder weiterführende Anmerkungen haben, so
wenden Sie sich gerne an unsere Mitarbeiter.
* 1995, Brücke e.V.,
Eßstörungsbereich
Aliabadi, C. u. Lehnig, W.:
Wenn Essen zur Sucht wird. Kösel Verlag, München 1982.
Arenz-Greiving, I.: Opfer
und Täter in der Therapie. Lambertus Verlag, Freiburg/Br. 1990.
Baeck, S.: Eßstörung
bei Kindern und Jugendlichen. Lambertus Verlag, Freiburg/Br. 1994.
Brady, J.P. u. Rieger, W.:
Behavioral treatment of anorexia nervosa. In: Thompson, T. u.
Dockens, W.S. III (Ed.):
Applications of behavior modification. Academic Press, New York 1975.
Brakhoff, J. (Hrsg.): Eßstörungen.
Ambulante und stationäre Behandlung. Freiburg / Br. 1985.
Bruch, H.: Eating Disorders.
Obesity, Anorexia nervosa and the person within. Basic Books, New York
1973.
Bruch, H.: Eßstörungen.
Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1991.
Brücke e.V.: Das Konzept
der "Brücke e.V." zur ambulanten Behandlung eßgestörter/eßsüchtiger
jugendlicher und erwachsener Klientinnen. Unveröffentlichtes Manuskript,
Hamburg 1992.
Brücke e.V.: Das Konzept
der "Brücke e.V." zur ambulanten Rehabilitation drogenabhängiger
Klienten. Unveröffentlichtes Manuskript, Hamburg 1992.
Brücke e.V.: Ambulante
Therapie mit eßgestörten jugendlichen und erwachsenen Frauen
in der "Brücke e.V." - eine Evaluationsstudie. Eigenverlag, Hamburg
1992.
Dittert, J.: Sozialtherapie
in der Praxis. Kongreßberichr, 2. Fachtagung, Kassel 1983.
Dominik, B.: Anorexia nervosa
als weibliche Problematik. Trier: Psychologisches Institut der Universität.
Trier 1982.
Erikson, M.H., Elrossi,
E., Elrossi, S.: : In: Journal of clinical Hypnosisdiagnostic, 1974.
Hypnose, Induktion, psychotherapeutische
Anwendung, Beispiele. Pfeiffer Verlag, München 1978.
Freiburger Suchtinfo, April
'91. Freiburg/Br. 1991
Goodsitt, A.: Self psychology
and the treatment of Anorexia nervosa. In: D.M. Garner u. P.E. Garfinkel
(Hrsg): Handbook of psychotherapy for Anorexia nervosa and Bulimia. Guilforg
Press, New York 1985.
Hautzinger, M.: Anorexia
nervosa: A Behavior - analytical model. Behavioral Analysis and Modification.
1980.
Karren, U.: Anorexia nervosa.
Ihre Bestimmung, Erklärung und Behandlung. Trier 1983.
Klein, M., 1940/1962. In:
R. Battegay: Die Hungerkrankheiten. Unersättlichkeit als krankhaftes
Phänomen. Frankfurt 1987.
Langsdorff, M.: Die heimliche
Sucht, unheimlich zu essen. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1985.
Luthmann, S.G. u. Kirschenbaum,
M.: Familiensysteme, Wachstum und Störungen. Einführung in die
Familientherapie. Pfeiffer, München 1977.
Mader, P. u. Ness, B. (Hrsg.):
Bewältigung gestörten Eßverhaltens. Neuland, Hamburg 1987.
Mahler, M.: In: A. Kämmerer,
B. Klingenspor (Hrsg.): Bulimie. Zum Verständnis einer geschlechtsspezifischen
Eßstörung.
Mentzos, S.: Psychodynamische
Modelle in der Psychiatrie. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1992.
Minuchin, S., Rosman, B.L.,
Baker, L.: Psychosomatische Krankheiten in der Familie. Augsburg 1986.
Orbach, S.: Accepting the
symptom: A feminist psychoanalytic treatment of Anorexia nervosa. In: D.M.
Garner u. P.E. Garfinkel (Hrsg): Handbook of Psychotherapy for Anorexia
nervosa and Bulimia. Guilford Press, New York 1985.
Orbach, S. : Anti-Diät-Buch.
Verlag Frauenoffensive. München 1988.
Overbeck, G.: Das psychosomatische
Symptom - Psychische Defizienzerscheinung oder generative Ich-Leistung.
In: U. Karren: Die Psychologie der Magersucht. Verlag Hans Huber, Bern
1986.
Petzold, H.G.: Die vier
Wege der Heilung in der integrativen Therapie. In: Integrative Bewegungs-
und Leibtherapie. Junfermann, Paderborn 1988.
Pudel, V.: Zur Psychogenese
und Therapie der Adipositas. Untersuchungen zum menschlichen Appetitverhaltens.
Springer, Berlin 1982.
Richter, H.-E.: Sieben Jahre
Erfahrung mit der analytischen Zwei-Wochen-Paartherapie. Familiendynamik,
1978.
Richter, H.-E.: Die dialogische
Funktion der Magersucht. In: J.-E. Meyer u. H. Feldmann (Hrsg.): Anorexia
nervosa. Thieme, Stuttgart 1965.
Schmidt, G.: Familientherapie
bei Patienten mit Ess-Störungen, insbesondere bei Anorexia nervosa.
In: J. Brakhoff (Hrsg.): Eßstörungen. Ambulante und stationäre
Behandlung. Lambertus Verlag, Freiburg / Br. 1985.
Selvini Palazzoli, M.: Magersucht:
Von der Behandlung einzelner zur Familientherapie. Stuttgart 1978.
Senf, W.: Psychoanalytische
Betrachtungen zur Bulimie. In: A. Kämmerer u. B. Klingenspor (Hrsg.):
Bulimie. Zum Verständnis einer geschlechtsspezifischen Eßstörung.
Sperling, M.: Psychosomatic
disorders in childhood. New York 1978.
Stierlin, H.: Der liebevolle
Kampf zwischen Festhalten und Loslassen, Psychologie Heute, 1982.
Thomä, H: Annorexia
nervosa. Geschichte, Klinik und Theorien der Pubertätsmagersucht.
Klett, Stuttgart 1961.
Weltgesundheitsorganisation,
hrsg. von H. Dilling, W. Mombour, M.H. Schmidt: Internationale Klassifikation
psychischer Störungen ICD-10. Verlag Hans Huber, Bern 1993
Weber, G. u. Stierlin, H.:
In
Liebe entzweit. Die Heidelberger Familientherapie der Magersucht. Rowohlt
Verlag, Reinbek bei Hamburg 1979.
Weber, G. u. Stierlin, H.:
Familiendynamik und Familientherapie der Anorexia nervosa-Familie. In:
R. Meermann (Hrsg.): Anorexia nervosa. Enke, Stuttgart 1981.
Quelle: http://www.dsk.de/rds/22275004.htm
Bearbeitet vom Webmaster
Zurück zur Informationsseite